22 Nov

Wird schon Werden Nr. 47

Das Hauptbad soll unter Denkmalschutz kommen. Nichts dagegen, auch wenn es unsere Stadtspitze mit ihren Neubauplänen schocken mag.

Aber was können wir daraus für Werden lernen? Ensemble wie die beiden alten Häuser am Klemensborn neben der Mensa kommen gegen die Hauptbad-Ästhetik nicht an; die dürfen jederzeit abgerissen werden.

Aber unser Stadtbad müsste in wenigen Jahren Denkmalschutz bekommen; typisch Siebziger. Mehr pure Funktionalität geht kaum.

Aber achten müssen wir auf andere Bauten, deren Wert wir Banausen noch nicht erkennen. So eine Parkpalette würde in zehn Jahren wahrscheinlich ein Denkmal, ob immer noch kaputt oder nicht; falls wir sie nicht noch rechtzeitig abreißen.

Sorgen machen mir mehr all’ die Klassen-Container an den Schulen. Die werden wir vielleicht niemals mehr los, als Dokumente einer hilflosen Schulpolitik.

Und wenn erst einmal unser S-Bahnhof mit diesen Werbeschildern unter Denkmalschutz gestellt wird, dann bleibt diese Schuhschachtel als Erinnerung an unsere Zeit für die Ewigkeit. – Was für eine wunderbare Vorstellung.
G.B.

15 Nov

Wird schon Werden Nr. 46

Gut geparkt. Auto steht. Doch im Rückspiegel sind zwei Verdächtige zu sehen, ein Mann und eine Frau in den typischen blauen Jacken des Ordnungsamtes. Die Frau schlendert nun souverän an die Seite meines Wagens, der auf einem – sage ich mal – halblegalen Parkplatz steht, zudem zweifellos gegen die Fahrtrichtung .

Ihr Lächeln hat jene Souveränität, die man mit „Gewissheit eines nahenden Sieges“ beschreiben kann.

Was bleibt mir übrig: Ich öffne vorsichtig die Tür und frage lächelnd: „Kein guter Parkplatz?“

Sie tut erst einmal so, als spreche niemand mit ihr; dann erst wendet sie sich mir zu, fragt gar nicht mal unfreundlich „Wieso?“ und schaut am Auto entlang, wobei ein ganz neues Lächeln in ihr Gesicht zieht, ein richtig breites.

„Warum fragen Sie mich?“ sagt sie amüsiert: „Ich warte hier nur auf meine Tochter.“ Dabei fasst sie an die emblemfreie Jacke und meint mit schallendem Lachen: „Es ist die blaue Jacke, oder?“

Ja! Und wohl ein mindestens halb schlechtes Parker-Gewissen.
G.B.

09 Nov

Wird schon Werden Nr. 45

„Deutsche Frauen haben schlechte Work-Life-Balance.“ Verstanden?

Ich erst einmal nicht.

Wenn man ganz langsam liest, kommt man dahinter: Es geht um das Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeit. Deutsche Frauen arbeiten im Europavergleich zu kurz, haben Forscherinnen und Forscher in Essen herausgefunden; nur leider keinen deutschen Begriff.

Wir können in dieser Ausgabe wahrlich nicht den ersten Stein werfen, zumal auf der Seite 3 mit US-Themen auch einige englische Worte vorkommen. Wir bemühen uns aber um Kleinigkeiten: Bei Festankündigungen wird möglichst das „Facepainting“ durch das kürzere und bessere „Schminken“ ersetzt.

Zurück zur Work-Life-Balance: Bei den Briten ist sie noch schlechter, obwohl die es doch eigentlich sofort verstehen könnten.
G.B.