20 Feb

Original und falsche Welt

Ich könnte ja. . . noch einmal schreiben, wie traurig es ist, dass Essen Original nach Zollverein geht, weil die Einzelhändler in der Innenstadt nur auf ihren Profit an diesem Festtag schauen. Dass Essen neben dem CentrO womöglich einfach „cool“ sein muss, scheint weniger eine Rolle zu spielen. Aber es stimmt ja auch: Weder ich Alter, der das Wort verwendet, noch offenbar Jüngere, die es noch verstehen, finden das Fest „cool“. Schon gar nicht die betroffenen Einzelhändler, die vielleicht sogar gar nicht Unrecht haben. Tröstend ist: Ein weiteres Fest, gleich welcher Art, nützt sicherlich Zollverein.

Ich könnte ja. . . begeistert sein, wenn ich heute lese, dass Essen zu den drei Städten gehört, in denen Vodafone ein öffentliches Maschinennetz testet, mit sensiblen Maschinen, die Daten erfassen. Aber leider lese ich gerade den Roman Qualityland, eine herrlich abgefahrene Zukunftssatire auf so ein Land. Da läuft ein Mülleimer zu den Menschen und weiß alles über sie; und Menschen, die den unzähligen Servicemaschinen immer gute Bewertungen abgeben, weil sie nicht die lästigen Fragen bei einer anderen Bewertung beantworten wollen, diese Menschen bekommen aufdringlich immer mehr Unsinn angeboten. Sie leben in einer eigenen, aber zunehmend falschen Welt.

15 Feb

Original — daneben

Ich könnte mich ja aufregen . . . aber mal im Ernst. Jetzt zieht Essen Original nach Zollverein um. Weg aus der Innenstadt. Selbst wenn das funktioniert, was soll das? Die Essener Innenstadt droht doch ohnehin zu veröden. Zuerst war Essen Original eine Veranstaltung, um Essener Künstler einmal vorzustellen, aber mit dem ersten Erfolg wollten es die Macher auch größer, also weg über die Essener Stadtgrenzen hinaus. Essener Künstler, ob Musik oder Comedy erreichen längst mehr als nur heimisches Publikum, siehe auch Folkwang, aber Provinz ist vermutlich noch in den Köpfen der EMG. Zusammen mit dem NRW-Fest als einmaliger Grund akzeptabel, aber nicht als zukünftiges Projekt. Für Zollverein mag das gut sein, Essens Innenstadt leistet dagegen ausgerechnet die Essener Marketing Gesellschaft  einen Bärendienst. Ganz traurig.

Ich könnte ja . . . schnell vergessen, dass die Straßen heute nach dem Schnee so voll waren. Ich bin ja bei meinem Törn durch Essen schnell durchgekommen. Und doch frage ich mich: Woran lag das? Können Essens Autofahrer so schlecht fahren, dass sie etwas Schnee und Matsch sofort ausbremst? Kann doch nicht sein. Ich habe bestimmt irgendetwas übersehen: Gleichzeitiger schwerer und von Schnee nicht beeinflusster Unfall auf allen Essener Autobahnen? Für Hinweise wäre ich dankbar.

 

03 Feb

Das neue Galore ist da — Boaaahr

Sie ist da, die neue Galore; und sie wird wieder wunderbar sein. Interviews in ihrer besten Form. Gute Mischung und gute Fragen. Deshalb möchte ich sie den Lesern dieses Blogs ans Herz legen. Reiner Selbstnutz, denn Galore kämpft schon lange an der deuscthen Zeitschriftenfront ums Überleben. Zur Zeit gibt es sie wieder in sehr guter und schöner Forn, gutes Format,  parallel im Internet.

Helge Schneider ist auf dem Titel, so stimmt auch der lokale Bezug. Denn ein guter Teil der Folkwang-Professoren bei der Gründung des Studiengangs  spielten in den späten Siebzigern mit Helge, ob Hufi oder Filipovitch. Damals im Alexander an der Rüttenscheider. Nun gibt Helge Schneider auf seiner Finka Auskunft. Ich bin gespannt. Und diesmal dabei:  Sahra Wagenknecht (Politik), Bruce Dickinson (Iron Maiden, Musiker), T.C.Boyle (Autor; Umweltschützer), Woody Allen (Regisseur), Jens Corssen (Mal sehen, was der ist), Burghadt Klaussner 8Schauspieler) und jener herbert Prantl, ein Journalist, einer von denen, die mich mindestens zufrieden machen, zu dieser Berufsgruppen zu gehören, einer von denen, die in den unendlch vielen Talkrunden immer eine gute Figur macht. Natürlich macht das neugierig, was der zu sagen hat, wenn er mal wieder auf der anderen Seite steht, sich Fragensstellen muss.

Inzwischen hat Galore auch Spalten für alle, die nicht nur lange  Interviews haben wollen:Prominente  geben Tipps, Schallplatten werden vorgestellt, und ein beigelegtes Heft stellt Bücher vor. Das wäre schon allein das Geld wert. Ist aber nur ein Gimmik dazu. Ich freue mich auf Galore; und bitte lassen Sie sich auch begeistern, damit es dieses Heft noch lange gibt.

Galore bedeutet „In Hülle und Fülle“, musste ich allerdings erst nachschlagen.

30 Jan

Mintarder Brücke – zu kurz gedacht

Die Mintarder Brücke soll also mittelfristig ausgebaut oder abgerissen werden, oder einen platonischen Partner bekommen; eine weitere Brücke ohne Berührung daneben. Sechs Spuren würden dann entstehen, passend zum Ausbau der A 52 vor und hinter der Brücke. 52 Jahre ist die Mintarder jetzt alt, was ja gut zur A 52 passt. Zum Vergleich, der selbstverständlich absurd ist: Die vorletzte Brücke von Werden hat dieses Alter nicht erreicht, die letzte ist zwei Jahre jünger, hätte aber wenigstens genug Spuren. In der Breite schenken sich beide Brücken nichts. Leider dürfte Werdens Brücke zu kurz sein, und zu kurze Beine haben. Schade. Diesen „Flugzeugträger“ könnte Werden gut abgeben.

Ein Abriss der Mintarder Brücke wäre wirklich seltsam, nicht nur wegen eines zumindest für Menschen noch akzeptablen Alters, indem man noch nützlich sein kann, oder? Aber auch so wäre es seltsam: Ist die letzte Reparatur nicht erst gerade gewesen? Nun ja, genaugenommen ist das doch schon viereinhalb Jahre her. Eigentlich wurde sie schon immer repariert. Der Bau der heute noch längsten Stahlbrücke Deutschlands (1800 Meter, immerhin bei allen Brücken Deutschlands knapp auf Platz 8) war ein Schnäppchen: Umgerechnet 20 Millionen Euro. Nun gut, in den ersten Jahren mussten kleine Nacharbeiten für 8,4 Millionen € vorgenommen werden. Damit kostete sie immer noch weniger, als vor 30 Jahren für den Werdener Tunnel (ca. 300 Meter) mit umgerechnet 30 Millionen € veranschlagt wurden. Doch dann kam über Mintard die Reparatur vor 13 Jahren mit 14 Millionen € dazu, und nun 2013 noch einmal 2,5 Millionen €.

80.000 Fahrzeuge fahren täglich hoch über Mintard. In Werden sind es 40.000; und wie gesagt: Sieben Fahrspuren in Werden! Bekanntlich weniger ein Problem der Werdener Brücke als der B224 in Werdens Innenstadt.

Ich gebe zu: das kann man alles nicht vergleichen. Also zurück zur Mintarder Brücke: Der Verkehr der Zukunft braucht diesen Ausbau, sonst wären der Ausbau der B 52  davor und danach Unsinn. Eine Frage: Hat man sich das nicht vorher überlegt?

Und dann doch noch eine Feststellung für Werden, wo die heute noch viel zu breite Brücke ja den Verkehr einer A 31 aufnehmen sollte, die nie gebaut wurde. Da hatte man vorher überlegt, aber falsch.

Ich könnte . . . drüber schmunzeln, wenn es nicht in Werden und über Mintard so traurig wäre. Aber vielleicht reicht es ja auch, wenn man über das Ruhrtal bei Werden eine Brücke zur Entlastung der B 52 baut —  von  Bredeney nach Ober-Heidhausen (Preutenborbeck) oder gleich nach Velbert . Das sähe sicher nicht schön aus, aber die Italiener machen so etwas locker zwischen Venedig und Cortina d’Ampezzo. Da steht ein Brückenpfeiler mitten in der historischen Stadt Vittorio de Veneto. Ein kleines Opfer für eine Entlastung um 20 Prozent .  (Ich bitte inständig, die vorangegangenen Zeilen nicht ernst zu nehmen; und hoffe trotzdem, Sie nicht gelangweilt zu haben)