07 Aug.

Vlieland ist voll

1407338059761Nun ja, dem Skipper reichen dann dann auch 7.15 Uhr. Dabei wäre 5 Uhr besser gewesen, denn morgen gibt es Ostwind, und dann werden wir die nächsten 60 Seemeilen kaum schaffen. Heute dagegen mit super Westwind ist es schon zu spät. Macht nichts.

Jedenfalls macht das Segeln echt Spaß. Irgendwie haben wir eine Rennjacht, denn wir ledern alle ab. Nur so eine rote Yacht hält mit und nutzt eiskalt unsere Entscheidung rechts von dem Tanker vorbei zu segeln aus, um links vorbei einen guten Vorsprung heraus zu fahren. Skippers Kommentar: Na ja, ich hatte die Segel zum Schluss auch nicht mehr optimal getrimmt.“ Nett von ihm, aber ich werde wohl nicht optimal gefahren sein.  Ich würde sagen, bei einem Steuermann mit drei Stunden Erfahrung macht es  bei so einem Duell nicht mer viel, wenn die anderen Bedingungen nicht ganz stimmen; zumal mein Gegner am anderen Ruder mit Bart und Mütze sehr erfahren aussah, und zuvor in unserem Windschatten stets viel zu zuversichtlich lächelte.

Immerhin sind wir zwischendurch lange 9,2 Knoten über Grund gefahren; über Wasser (oder was auch immer) sind das 7,2 Knoten.

Jetzt haben wir auf das Abenteuer verzichtet (Ankunft nach 60 Seemeilen bei möglichst 6 Knoten Durchschnitt im alleridealsten Fall erst eine Stunde nach Sonnenuntergang) und liegen vor dem Hafen in Vlieland, der absolut überfüllt ist. Die anderen Ankernden sind auf die Robben-Insel per Schlauchboot gefahren. Durch das Tele meiner Kamera sieht das lustig aus: 50 Meter von den Robben entfernt stehen Menschen und starren; die Robben machen das gleiche, nur in liegender Position.

Nun liegen wir in der Sonne.

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07 Aug.

Ein Holländer in Lederhosen

1407423232448Vlieland ist vom Hafen her wunderschön (total eng und abenteuerlich und wir durften erst nach drei Stunden hinein) , und der Ort ist noch netter, als man es beschreiben kann. Heute mit Musikfest. Die Hafenmeister haben unsere 15 Meter auf Millimeter eingepasst, mein Skipper war zu Recht gestresst: „Für so etwas musst du schneller werden!“ Wir sind quer eingeparkt vorbei an Kindern in Schlauchbooten, hat er toll gemacht, und ohne eine Berührung.

Im Ort beim Musikfestival habe ich etwas erlebt, was so etwas von daneben ist: Ein Holländer, der in Lederhosen  bayrische Lieder singt und holländische Lieder entfernt bayrisch klingen ließ; und wir Deutschen haben noch gelacht.

07 Aug.

Stromlos in

1407337697435Heute, Mittwoch, sind wir nach Haarlingen. Das ist nicht viel, aber immerhin raus aus dem Ijsselmeer. An der Schleuse die Bunker, wie man sie eigentlich von überall an der Nordseeküste kennt. Auch von uns gebaut?

Das Schleusen ging viel schneller, als mein Skipper mir das erklärt hatte, mein Festbinden und halten, während das Wasser sinkt, dauerte ein paar Sekunden. Ich war bereit, stundenlang bis an den Rand meiner Kräfte zu gehen.

Umso imponierender gestaltete sich dann die Einfahrt in den Hafen von Haarlingen, aus dem überraschend ein sehr großes Containerschiff stob und uns eine monsterschnelle monstergroße Fähre schob.1407342864646 Auch durften wir mit den 15 Metern nicht in den schönen Noordhaven, sondern in den sehr basalen Südhafen, bei dem der Mitarbeiter des Hafenmeisters uns zwar 30 Euro abnahm, aber eine vollkommen falsche Auskunft gab, was den Stromanschluss betraf. Ich bin eine Stunde durch die Stadt geirrt, weil es den angegebenen Automaten nur hinter einer verschlossenen Tür gab, und ich nicht glauben konnte, dass wir nie die Stromkarte bekommen würden, für die wir extra an der Seite eines anderen Schiffes angelegt hatten.

Ohne Stromnachladen fiel das Kochen mit dem Elektroherd auf dem Schiff aus. Es hätte Rigatoni (Gereon) mit selbstgemachter Hackfleisch-Sauce (Skipper) gegeben. Die Pizzeria in diesem Ort mit der Stromfalle war nicht schlecht; die Tortellini Carbonara drängten sich üppig im riesigen Suppenteller und bordeten auch im Geschmack über. Dafür durften wir bei aufkommendem Regen so lange auf die Rechnung warten, bis es schüttete; was wir erst nach dem Trinkgeld fest stellten. Egal. Nass von oben. Morgen geht es um 7 Uhr raus, meint mein Skipper.

06 Aug.

Watt nen Schitt

Wunderschönes Schiff von hinten.

Wunderschönes Schiff von hinten.

Ich war noch nie ein so großer Freund des Wattenmeeres; schwarz mit Würmern drin, keine Wellen. Jedenfalls lagen heute morgen und liegen heute Abend die Zeiten so ungünstig, dass wir entweder im Dunklen durch das Watt hätten segeln müssen; oder heute Abend so spät aus dem Ijsselmeer kommen, dass wir Vlieland nicht vor 22 Uhr erreichen; sagt mein Skipper. Damit hat sich der Törn am Start um einen Tag verzögert. Mir soll es egal sein, weil ich jederzeit aussteigen darf und auch Mitte nächster Woche muss, aber ich würde meinen Skipper ungern vor Hamburg allein lassen. Man hat ja gehört, dort gebe es ein verrufenes Viertel.

Aber wir sind ja noch in Hindeloopen, und da ist es schön, zumal dort das Museum ist für die Elfstedentocht, den sagenhaften Eisschnelllauf der Holländer; und das Paar, das jenes Museum betreibt, ist super nett. Das interessiert meinen Skipper weniger, weil er über Karten brütet, wie wir gut und sicher durchs Watt kommen, bei vielleicht Gewitter und irgendwie einer Gegenströmung 1.

Wenn das Watt häter wäre, Black Ice, könnte ich ihm Rollschuhe leihen. Unsinn? Ja.

Aber mit dem Watt ist auch ein Schitt.

 

Von vorne sieht es noch schnittiger aus; aber für Watt eben schon sehr tiefgängig mit Kiel.

Von vorne sieht es noch schnittiger aus; aber für Watt eben schon sehr tiefgängig mit Kiel.

 

05 Aug.

Jesus liebt mich

„Jesus liebt mich“ ist ein Film, der Donnerstag im ZDF kommt, und den ich sehr empfehlen kann. Ich habe bei der Premiere in der Lichtburg so viel  gelacht, wie selten in einem deutschen Film. David Fitz spielt den Sohn, und sogar die Szenen mit dem Vater am Ende sind echt klasse.

Aber Jesus hat mich auch ein wenig gern, denn Sonntag kam das Angebot eines netten Werdener Freundes, mit ihm von Hindeloopen in den Niederlanden nach Hamburg zu segeln. Es sind genau die einzigen zehn unverplanten Tage meines Urlaubes, sozusagen himmlisch genau eingepasst. Ich habe null Ahnung vom Segeln, mal sehen, wie ich ihm da helfen kann. Als ich gerade noch dringend eine Geschichte vor unserem Start schreiben musste, verpasste ich das Deckschrubben. Peinlich, aber auch irgendwie Glück.

Bald geht es los.