19 März

Die Werdener Nachrichten, Ausgabe 12/2026: Edeka schließt, Stoff- und Tuchmarkt öffnet, Mille Petrozza erzählt und Hans-Joachim Powilleit wird geehrt

Edeka Diekmann schließt zum Jahresende

Die letzten Stunden vom letzten Lebensmittelladen in der Werdener Altstadt sind gezählt: Zum Ende des Jahres wird Edeka Diekmann an der Heckstraße schließen. „Das kann ich nicht verneinen“, bestätigt Inhaber Andreas Diekmann die Befürchtung,

die seit vergangenem Wochenende bereits die Runde durch die Werdener Altstadt macht. Ende kommenden Oktober endet das Mietverhältnis. Bei vielen Werdenern regiert das blanke Entsetzen:

Damit verliert die Altstadt ihren letzten Nahversorger.


Stoff- und Tuchmarkt eröffnet die Saison

„Der Stoff- und Tuchmarkt läutet die Saison ein“, freut sich Andreas Miksch, Vorsitzender des Werdener Werberings: Wenn die deutsch-holländischen Händler wieder den Schulhof des Gymnasiums Werden an der Körholzstraße beziehen und von 11 bis 17 Uhr zig Kauffreudige anziehen, öffnen von 13 bis 18 Uhr auch die Läden der Altstadt.

Und während das Wetter frühlingshafte Temperaturen verspricht, fragt sich mancher, ob er nicht in der falschen Jahreszeit ist: Denn noch immer hängt die Weihnachtsbeleuchtung


Projekt „Essbar Werden“ will Altstadt gestalten

Fast ein wenig wie im Schlaraffenland sollen sich die Menschen, aber auch Bienen und andere Insekten künftig in Werden fühlen – Feigen, Johannisbeeren, Heckenkirschen, Schwarzer Holunder und andere leckere Pflanzen soll künftig in und um die Altstadt blühen – und zum Naschen und Lernen einladen:

„Essbar Werden“ heißt das Projekt, zu dem sich erstmals unterschiedlichste Werdener Vereine zusammengeschlossen haben, deren gemeinsames Ziel es ist, den Stadtteil zu gestalten.


Mille Petrozza erinnert sich an seine Zeit im Jugendarrest

Das Forum des Mariengymnasiums ist bis auf den letzten Platz besetzt: Miland „Mille“ Petrozza freut sich über sein Heimspiel in Werden. Für ihn schließt sich hier ein völlig schlüssiger Kreis.

Aufgrund einer „bescheuerten Achtzigerjahre-Schlägerei“ musste er dort im Alter von 15 Jahren ein Wochenende in der Jugendarrestanstalt als Einzelhaft verbüßen. „

Es waren die längsten zwei Tage meines Lebens. Nichts daran war lustig oder ehrenhaft; es war einfach nur uncool und beschissen. Immerhin konnte man lesen. Gleich zu Beginn kam ein Typ mit einem Bücherwagen vorbei und hat Lesestoff verteilt.

So habe ich im Jugendarrest zum ersten Mal in meinem Leben ein komplettes Buch gelesen – bis dahin kannte ich nur Comics. Die Zeit zog sich dort endlos wie Kaugummi, und ein Satz wurde zu meinem Mantra: ‚Niemals wieder mache ich so eine Scheiße mit‘“, erzählt Mille.


Erfolgreiches Fußball-Wochenende im Löwental

Der Landesligist holte einen wichtigen Zähler gegen den punktgleichen Oberliga-Absteiger. Die Damen setzten ihre Siegesserie fort, beide B-Ligisten siegten auswärts nach kuriosen Spielverläufen mit 5:3 Toren und liegen auf Aufstiegsplätzen. Die couragiert auftretende „Bierte“ hätte fast dem Spitzenreiter ein Beinchen gestellt. Am Sonntag gibt es Fußball satt im Löwental. Nicht nur drei Herrenteams, auch beide A-Junioren haben Heimspiele.


Ehrungen für Hans-Joachim Powilleit

Hans-Joachim Powilleit nahm es wie immer mit einem Lächeln. Gleich drei Urkunden mit den entsprechenden Ehrennadeln flatterten ihm ins Haus. Für „unermüdliche Arbeit um das Schützenwesen“ ehrten ihn Kreis-, Landes- und Bundesverband.

In der Tat ist der bald 74-Jährige am 1. Juni 1966 eingetreten in den Bürgerschützenverein Gut Ziel Essen-Werden-Heidhausen 1926: „Mein Vater und mein Großvater waren im Verein, wie mein Patenonkel auch. Damit bin ich groß geworden.“ Ein fester Blick: „Das Schützenwesen ist mein ein und alles.“

12 März

Die Werdener Nachrichten, Ausgabe 11/2026: Kunstrasen, Studierendenwohnheim, Verkehrspolitik und ein Buchhandlungspreis

Buchhandlungspreis aus Protest abgelehnt

„Das war eine wilde Woche“. Das Telefon stand kaum still bei Dennis Hasemann, nachdem er aus Protest gegen politische Einflussnahme den Buchhandlungspreis abgelehnt hatte. Die mediale Aufmerksamkeit, die ihn „ziemlich im Mittelpunkt“ stehen ließ, sei „echt anstrengend“ gewesen.

Zahlreiche Medien, kontaktierten Hasemann, dem Deutschlandfunk gab er am vergangenen Dienstag ein live im radio ausgestrahltes Interview. Auch die Branchenpresse wie das Börsenblatt berichtete mehrfach.


Kunstrasen im Löwental wird erneuert

Im Sommer hat die Sanierungsbedürftigkeit des Kunstrasens im Löwental ein Ende. Der Ausschuss für Sport- und Bäderbetriebe Essen (SBE) hat die „Erneuerung des Kunstrasens auf dem Kunstrasengroßspielfeld und Jugendspielfeld der Sportanlage Im Löwental“ beschlossen.

Vor dem größten Feriencamp in Nordrhein-Westfalen, ausgerichtet vom SC Werden-Heidhausen im Löwental im August, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, so Sebastian Paas, Jugendleiter des Vereins.


Ehemalige Jugendarrestanstalt wird Studierendenwohnheim

Früher brummten Jugendliche, die etwas ausgefressen haben, hier ihre Zeit auf Staatskosten ab. Bald sollen hier junge Menschen leben, die vornehmlich an der Folkwang Universität studieren. Die ehemalige Jugendarrestanstalt (JVA) in Werden, ein geschichtsträchtiges Denkmal aus dem Jahr 1912, erlebt derzeit eine bemerkenswerte Transformation. Unter der Federführung von Architekt und Stadtplaner Thomas Deilmann wird das ehrwürdige Gebäude zu einem modernen Studierendenwohnheim umgebaut.

Ein Projekt, das nicht nur dringend benötigten Wohnraum für junge Menschen in akademischer Ausbildung schafft, sondern auch ein bedeutendes Stück regionaler Geschichte bewahrt und mit neuem Leben füllt. Diese anspruchsvolle Sanierung wird unter anderem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit 100 000 Euro unterstützt, wobei dieser Betrag explizit für die umfassende Instandsetzung des Daches vorgesehen ist.


Verkehrspolitik: Was wird aus dem Radweg?

Die rot-schwarze Koalition will die Prioritäten im Straßenverkehr verschieben. Hatte bislang, nicht zuletzt auch mit Blick auf den fraktionsübergreifenden Ratsbeschluss zum Radentscheid, der Ausbau des Radverkehrs im Vordergrund gestanden, rückt man nun den Fokus wieder auf die Sanierung vorhandener Straßen und Brücken, die vornehmlich dem Autoverkehr dienen. Doch was bedeutet das für den geplanten Radweg zwischen Werden und Velbert entlang der B224?


Vom Operationssaal in den „Ayurveda Space“

„Ich fresse einen Besen, wenn mir das hilft.“ Dieser Satz markiert einen Wendepunkt im Leben von Iris Rupprecht. Er steht für den Beginn einer tiefgreifenden persönlichen und beruflichen Veränderung, die die aus Essen stammende Fachärztin für Viszeralchirurgie – will heißen: Bauchchirurgie – vom Operationssaal in ihre eigene Praxis für Ayurveda und ganzheitliches Coaching führte.

Iris Rupprecht – Fachärztin für Viszeralchirurgie

In ihrem „Ayurveda Space“ im Tor 3 an der Ruhrtalstraße bietet sie nun einen Raum für Menschen, die einen anderen Weg zu mehr Wohlbefinden suchen.


SC Werden-Heidhausen: Wichtiger Punkt im Abstiegskampf

Der stark ersatzgeschwächte Landesligist SC Werden-Heidhausen konnte in Duisburg unter großen Anstrengungen ein Remis erzielen. Sogar ein wenig Glück war vonnöten. Umso wichtiger, dass so ein Konkurrent im Abstiegskampf auf Distanz gehalten werden konnte. Die Damen siegten überzeugend und überholten den Gegner in der Tabelle. Zwote und „Dreite“ bleiben im Aufstiegsrennen und die „Bierte“ ergatterte spät einen Zähler.

05 März

Die Werdener Nachrichten, Ausgabe 9/2026: Alte Post, Stadtteilpflege, Bischofsbesuch und Sport

Zukunft der „Alten Post“ bleibt ungewiss

Die Zukunft der „Alten Post“ in der Hufergasse scheint ungewiss: Ob und wann die Pläne für einen Neubau mit Büros, Wohnungen und Einzelhandel – und damit auch das anvisierte Parkhaus auf dem gegenüberliegenden Lehrerparkplatz – realisiert werden, steht in den Sternen. „Das Vorhaben und die damit verbundenen Arbeiten sind vorübergehend ruhend gestellt“, formuliert Burkhard Leise, Sprecher der Stadt Essen. „In Absprache mit dem beteiligten Investor sind noch wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu klären.“ Bewegung kam nur kürzlich durch ein Feuer im Gebäude auf.


Stadtteilpfleger sorgt für Sauberkeit – Zukunft der Stelle offen

„Ich fühle mich gebraucht.“ Seit fünf Jahren kümmert sich Udo Lieder als Stadtteilpfleger um Sauberkeit und Ordnung in der Werdener Altstadt. Zwischen Werdener Wehr und Porthofplatz zieht er dreimal die Woche seine Runden, sammelt Zigarettenkippen, achtlos hingeworfenen Verpackungen oder herumliegende Kartonreste auf.

Ein Job, den die Werdenerinnen und Werdener honorieren: „Viele bedanken sich bei mir“, freut sich der 55-Jährige. „Die Leute merken, dass es durch ihn sauberer wird“, bestätigt Theo Körber vom Werdener Bürger- und Heimatverein. Seit das Jobcenter vor zwei Jahren die Förderung des Projekts eingestellt hat, finanziert der Traditionsverein die Stelle aus eigener Tasche. „Bis nächstes Sommer nächsten Jahres ist die Stelle gesichert“, betont Körber. Doch danach droht dem Stadtteilpfleger das aus: Dem Verein fehlen schlicht die Mittel.


Bischof Overbeck diskutiert mit Oberstufenschülern

„Man muss für die Freiheit einstehen.“ Die klare Botschaft brachte der Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck den Oberstufenschülerinnen und -schülern des Mariengymnasiums Werden am Mittwochvormittag mit.

In seiner Funktion als Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr stellte er sich den Fragen der Jugendlichen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Die Notwendigkeit, sich für Freiheit, Demokratie und Recht einzusetzen, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.


Neues Tapas-Angebot am Werdener Ruhrufer

„Wir bringen ein wenig spanisches Flair an die Werdener Wiesn“, freut sich Ervis Kotka, der ab sofort den dortigen Food Truck führt. Damit bleibt der Biergarten am Ruhrufer kulinarisch international: Nach einer italienischen und einer ungarischen Saison folgt nun das Tapas-Angebot von „Buena Vida“.


Buchhandlung Schmitz lehnt Deutschen Buchhandlungspreis ab

Die Werdener Buchhandlung Schmitz lehnt die Auszeichnung mit dem diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreis aus Protest gegen den Umgang von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) mit der aktuellen Preisrunde.

Auslöser sind drei Buchhandlungen, denen der bereits von einer unabhängigen Fachjury zugesprochene Preis nachträglich verwehrt wurde. Das Staatsministerium begründet dies damit, dass es bei diesen drei Häusern „verfassungsrechtliche Erkenntnisse“ gebe. Hasemann sieht darin einen „massiven politischen Eingriff in unsere Freiheit“.


SC Werden-Heidhausen: Niederlage in der Liga, Erfolg im Pokal

In der Landesliga zahlten die 1. Herren des SC Werden-Heidhausen gegen starke Budberger kräftig Lehrgeld und unterlagen zuhause 0:3, erreichten aber im Pokal mit einem 3:1 gegen den Vogelhemer SV das Halbfinale und sind somit für den nächsten Niederrheinpokal qualifiziert.

26 Feb.

Die Werdener Nachrichten, Ausgabe 09/2026: Forensik-Pläne, Trauer und virtuelles

Forensik-Pläne und ein Formfehler von 1974

Hängt die geplante Forensik am seidenen Faden? Ende vergangener Woche hatte die Stadt Essen einräumen müssen, dass der Bebauungsplan „Barkhovenallee“ aus dem Jahr 1974 fehlerhaft und gegebenenfalls sogar unwirksam sein könnte. Nicht inhaltlicher Natur sind diese Fehler, aber auch die Formfehler würden das Dokument als planungsrechtliche Grundlage für die Zulässigkeit des Bauvorhabens unbrauchbar machen, mutmaßt die Stadt.

„Entscheidend ist, wie diese Urkunde aus dem Jahr 1974 wirklich gebunden ist“, stellt Birgit Szymczak vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS) auf der zweiten Bürgerinformations-Veranstaltung fest, zu der der zuständige Planungsbeirat am vergangenen Mittwochabend ins Forum des Mariengymnasiums geladen hat. Denn laut Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts des Landes NRW müsse das Dokument „mit einem Faden durchgängig verbunden“ sein. Dies müsse die Bezirksregierung Düsseldorf als Baugenehmigungsbehörde nun prüfen. Doch selbst dieses Hindernis lässt die Plander der Forensik nicht den Faden verlieren. Denn offenbar hat der Gesetzgeber gegen solch einen Fall mit einer Art „Joker-Paragraf“ vorgesorgt.


Trauer um Hanslothar Kranz

Ganz Werden trauert: Hanslothar Kranz ist tot. Der langjährige Werdener CDU-Politiker und frühere Bezirksbürgermeister ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Bis zuletzt hat er sich für Werden, Heidhausen und Fischlaken eingesetzt und das Gespräch mit den Menschen gesucht. Das christdemokratische Urgestein hat das politische wie gesellschaftliche Geschehen in und um Werden tief geprägt.


„Werden 360 Grad“: Virtuell durch den Stadtteil

Wenn Andreas Miksch von der Zukunft des Werdener Stadtteils im Netz spricht, fällt ein Wort immer wieder: Planen. „Diese Seite ist hervorragend dafür zu planen“, sagt der Vorsitzende des Werdener Werberings. Wer eine Fahrradtour oder einen Pilgerweg vorbereitet, solle künftig schon vorab sehen können: „Guck mal, in Essen kann man, guck mal in Werden, guck mal, da kann man schön Kuchen essen.“

Genau hier setzt „Werden 360 Grad“ an – ein virtueller Rundgang, den Olaf Fuldner und Markus Sänger vom Start-up-Unternehmen „Bagless“ gemeinsam mit dem Werbering derzeit aufbauen. Nutzer sollen sich digital durch Werden bewegen, Läden betreten, Informationen abrufen und – perspektivisch – direkt mit Inhaberinnen und Inhabern in Kontakt treten können.


Unterwegs mit dem E-Scooter im Rollstuhl-Alltag

Viele sprechen von Verkehr – doch wie ist es, mit einem E-Scooter durch Werden zu fahren, wenn man auf einen Rollstuhl angewiesen ist? Diese Frage kann Heinz Klein beantworten. Er wurde im Sommer 1954 in Werden geboren, heute lebt er in der Kellerstraße. Mit seinem M74 Lang-Scooter stört ihn kein Tempolimit in Werden. Dennoch findet er es „vernünftig, wenn sich alle dran halten würden“, wie er lächelnd anmerkt. Sein Scooter kann maximal 15 Kilometer pro Stunde fahren, doch wurde er auf zwölf gedrosselt.

Er komme gut zurecht: „Dort, wo Autos auf den abgesenkten Bordsteinen parken, etwa bei Folkwang oder am Klemensborn, kann ich das gut umschiffen, dann suche ich mir eben eine andere Stelle.“ Er könnte die Straße benutzen, aber „das traue ich mich nicht. Ich könnte leicht übersehen werden.


Lesung im Mariengymnasium: Mille Petrozza erzählt seine Geschichte

Beim Lesen von Miland „Mille“ Petrozzas Autobiografie ist weniger erstaunlich, ihn vor 4000 Konzertbesuchern zu erleben, die ihn anlächeln und mitschreien im ausverkauften „Hollywood Palladium“ am Sunset Strip von L.A. Auch nicht die Tatsache, dass ihn ein Kamera-Team verfolgt, um einen großen Film zu drehen, oder dass ein Restaurant in L.A. extra für seine Band öffnet. Oder der Moment, wenn der Schlagzeuger die Band „nach vorn prügelt“.

Es ist eher die sympathische Tatsache, dass in Altenessen ein Typ aufwuchs, dem „Rocker“ total suspekt waren, verbunden mit etwas wie Abscheu und Angst; wie eben manche Gangs in seinem Viertel.

Mille Petrozza
Bildrechte: Robert Eikelpoth

Wie der Junge schließlich zum Frontmann der Thrash-Metal-Band „Kreator“ wurde, ist eine wirklich spannende Geschichte. Eine, die er bald auch im Forum des Mariengymnasiums erzählt. Denn auf Einladung der Buchhandlung Schmitz und das Literaturbüro Ruhr liest er dort aus seiner Biografie „Your Heaven, My Hell, Wie Haevy Metal mich gerettet hat“ und spricht darüber mit Co-Autor Torsten Groß.