Die Werdener Nachrichten, Ausgabe 09/2026: Forensik-Pläne, Trauer und virtuelles
Forensik-Pläne und ein Formfehler von 1974
Hängt die geplante Forensik am seidenen Faden? Ende vergangener Woche hatte die Stadt Essen einräumen müssen, dass der Bebauungsplan „Barkhovenallee“ aus dem Jahr 1974 fehlerhaft und gegebenenfalls sogar unwirksam sein könnte. Nicht inhaltlicher Natur sind diese Fehler, aber auch die Formfehler würden das Dokument als planungsrechtliche Grundlage für die Zulässigkeit des Bauvorhabens unbrauchbar machen, mutmaßt die Stadt.
„Entscheidend ist, wie diese Urkunde aus dem Jahr 1974 wirklich gebunden ist“, stellt Birgit Szymczak vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS) auf der zweiten Bürgerinformations-Veranstaltung fest, zu der der zuständige Planungsbeirat am vergangenen Mittwochabend ins Forum des Mariengymnasiums geladen hat. Denn laut Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts des Landes NRW müsse das Dokument „mit einem Faden durchgängig verbunden“ sein. Dies müsse die Bezirksregierung Düsseldorf als Baugenehmigungsbehörde nun prüfen. Doch selbst dieses Hindernis lässt die Plander der Forensik nicht den Faden verlieren. Denn offenbar hat der Gesetzgeber gegen solch einen Fall mit einer Art „Joker-Paragraf“ vorgesorgt.

Trauer um Hanslothar Kranz
Ganz Werden trauert: Hanslothar Kranz ist tot. Der langjährige Werdener CDU-Politiker und frühere Bezirksbürgermeister ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Bis zuletzt hat er sich für Werden, Heidhausen und Fischlaken eingesetzt und das Gespräch mit den Menschen gesucht. Das christdemokratische Urgestein hat das politische wie gesellschaftliche Geschehen in und um Werden tief geprägt.



„Werden 360 Grad“: Virtuell durch den Stadtteil
Wenn Andreas Miksch von der Zukunft des Werdener Stadtteils im Netz spricht, fällt ein Wort immer wieder: Planen. „Diese Seite ist hervorragend dafür zu planen“, sagt der Vorsitzende des Werdener Werberings. Wer eine Fahrradtour oder einen Pilgerweg vorbereitet, solle künftig schon vorab sehen können: „Guck mal, in Essen kann man, guck mal in Werden, guck mal, da kann man schön Kuchen essen.“
Genau hier setzt „Werden 360 Grad“ an – ein virtueller Rundgang, den Olaf Fuldner und Markus Sänger vom Start-up-Unternehmen „Bagless“ gemeinsam mit dem Werbering derzeit aufbauen. Nutzer sollen sich digital durch Werden bewegen, Läden betreten, Informationen abrufen und – perspektivisch – direkt mit Inhaberinnen und Inhabern in Kontakt treten können.



Unterwegs mit dem E-Scooter im Rollstuhl-Alltag
Viele sprechen von Verkehr – doch wie ist es, mit einem E-Scooter durch Werden zu fahren, wenn man auf einen Rollstuhl angewiesen ist? Diese Frage kann Heinz Klein beantworten. Er wurde im Sommer 1954 in Werden geboren, heute lebt er in der Kellerstraße. Mit seinem M74 Lang-Scooter stört ihn kein Tempolimit in Werden. Dennoch findet er es „vernünftig, wenn sich alle dran halten würden“, wie er lächelnd anmerkt. Sein Scooter kann maximal 15 Kilometer pro Stunde fahren, doch wurde er auf zwölf gedrosselt.
Er komme gut zurecht: „Dort, wo Autos auf den abgesenkten Bordsteinen parken, etwa bei Folkwang oder am Klemensborn, kann ich das gut umschiffen, dann suche ich mir eben eine andere Stelle.“ Er könnte die Straße benutzen, aber „das traue ich mich nicht. Ich könnte leicht übersehen werden.
Lesung im Mariengymnasium: Mille Petrozza erzählt seine Geschichte
Beim Lesen von Miland „Mille“ Petrozzas Autobiografie ist weniger erstaunlich, ihn vor 4000 Konzertbesuchern zu erleben, die ihn anlächeln und mitschreien im ausverkauften „Hollywood Palladium“ am Sunset Strip von L.A. Auch nicht die Tatsache, dass ihn ein Kamera-Team verfolgt, um einen großen Film zu drehen, oder dass ein Restaurant in L.A. extra für seine Band öffnet. Oder der Moment, wenn der Schlagzeuger die Band „nach vorn prügelt“.
Es ist eher die sympathische Tatsache, dass in Altenessen ein Typ aufwuchs, dem „Rocker“ total suspekt waren, verbunden mit etwas wie Abscheu und Angst; wie eben manche Gangs in seinem Viertel.

Bildrechte: Robert Eikelpoth
Wie der Junge schließlich zum Frontmann der Thrash-Metal-Band „Kreator“ wurde, ist eine wirklich spannende Geschichte. Eine, die er bald auch im Forum des Mariengymnasiums erzählt. Denn auf Einladung der Buchhandlung Schmitz und das Literaturbüro Ruhr liest er dort aus seiner Biografie „Your Heaven, My Hell, Wie Haevy Metal mich gerettet hat“ und spricht darüber mit Co-Autor Torsten Groß.





























