18 Juni

Duisburg-Essen Uni

Auch heute in der WAZ ist ein Interview mit dem Rektor der Uni Duisburg-Essen zu lesen; unter anderem mit der Frage nach der Gleichberechtigung und ob Essen nicht dominiere. Ganz unabhängig von der Antwort und dem guten Interview: Mit dem Namen hat Duisburg eine dermaßene Dominanz bekommen. Je weiter man von NRW entfernt wohnt, desto mehr wird man sich fragen, ob Essen ein Stadtteil von Duisburg ist; oder das Schild zur Kantine der Uni Duisburg führt; zudem wird schon bei einigen Adressen das Essen weggelassen.
Oder bedeutet Essen-Werden nun, dass sich die beiden Städte zusammengeschlossen haben.
Mit der alphabetischen Reihenfolge Duisburg vor Essen hat sich Essen nach hinten begeben für immer. Man verzeihe mir meinen sicherlich hier zu großen Lokalpatriotismus als Essener. Aber eigentlich egal: Die Folkwang-Universität der Künste übrigens gibt natürlich keine Stadt an: Bochum-Duisburg-Dortmund-Essen wäre auch zu lang. Aber der Campus heißt Essen-Werden und liegt damit in Essen und Werden. Ist natürlich Quatsch, zeigt aber wie ungsünstig das mit der Uni Duisburg-Essen für Essen gelaufen ist.

18 Juni

Kühle Lucius-Kirche

LuciusLuftDie WAZ-Lokalausgabe wendet sich heute als 21. von 100 besonderen Orten in Essen der Luciuskirche zu (heute sicherlich kühl). Der ausführliche Artikel bringt auch eine interessante Kritik vor: Die Kirche ist durch den Anbau des Luciusdorfes nicht zu umrunden. (Stimmt. Echt schade.) Und das Luciusdorf gefällt architektonisch der Autorin Vera Eckhardt weit weniger als die orangefarbenen (? / aber welche Farbe es ist, könnte ich auch nicht formulieren / orangerot?) Häuser auf der Nordseite. Ja, die sind schöner, aber ist das Dorf nicht zumindest o.k.?

17 Juni

Viel Asbest

Der 17. Juni erinnert mich immer daran, wie unterschiedlich mein Sohn Thorben (geboren 1993) und ich (1959) deutsche Geschichte erlebt haben. Auch für mich war der Aufstand am 17. Juni nur eine Geschichte, aber schon eine von ungeheurem Mut.
Ich habe Mauerbau nicht direkt erlebt, aber da schon gelebt, und dafür Kennedys Tod, Brandts Kniefall, und den Mauerfall hautnah erlebt; für ihn ist die gesamte DDR ein Mysterium.
Und ich muss an jene Tage beim Studium 1989 in Berlin denken, als uns ein DDR-Journalist mit einem Mann bekannt machte, der selber die Mauer gebaut hatte. Er war treuer Parteigenosse und knurrte zwischen den Zähnen: „Ich freu‘ mich“, als er die Mauerklopfer rechts vom Brandenburger Tor sah, und dann nach einer Pause: „Wir haben damals so viel Asbest verbaut.“ Ob er noch kaum hörbar sagte, „die werden alle sterben“, bin ich mir nicht mehr so sicher. Auch habe ich nie wieder gehört, ob das mit dem Asbest überhaupt stimmt, oder nur seiner Wut geschuldet war.
Aber solange Sie es nicht besser wissen, bewahren Sie Ihren Mauerstein vielleicht auf dem Balkon statt im Schlafzimmer auf.
Wir haben in jenen Tagen des Wechsel als Besucher aus dem Westen noch mehr erlebt, aber das sind andere Geschichten.

16 Juni

Saurier trifft Mammut

Ich könnte es . . .

. . . ja längst vergessen haben, aber die Saurier-Füße in Bochum gehen mir nicht aus dem Kopf. 315 Millionen Jahre ist es her, dass eines der ersten Landreptilien durch das stapfte, woraus Kohle wurde. Das hausschweinähnliche Tier könnte ein Vorläufer aller Wirbeltiere gewesen sein. Unser Werdener Mammut ist dagegen viel viel jünger; und wir Menschen schreiben erst so seit 3000 Jahren alles auf. Vor 110 000 Jahren sind die die ersten Menschen gelebt, deren Knochen wir bisher gefunden haben. Also lässt sich die Zeit der Menschen auf der Erde 3500 Mal darein stecken, unsere aufgeschriebene Geschichte 120.000 mal.

Ich bitte um Entschuldigung für diese Abschweifungen an einem Sonntagmorgen: Irgendwie gibt das der Bedeutung der Menschen auf der Erde aber eine Winzigkeit, die schon beeindruckend ist. Für das Ruhrtal und sein Leben hier sind wir ein Millisekündchen. Und das erinnert mich wieder an eine sehr wesentliche These: Für die Natur, die wir immer glauben, zerstören zu können, sind wir bisher ein sehr kurzer Test, den die Natur sicher überleben wird.

Bis Morgen und dann wieder konkreter

16 Juni

Das passte

Es gibt Momente, da passt alles: So war es gestern bei der Buchvorstellung im Dingerkushaus. Als aus dem Fenster des oeben Raumes Sopranistin Julia Husmann mit Gitarristin Petra Engelhardt an der mit Liedern einrahmten, was Peter Marx und Peter Bankmann zu der Zeit von Dingerkus erläuterten, da kam schnell Gedanke: So ideal kann es sich nicht einmal der damalige Kanzleidirektor vorgestellt haben.

Dass zu den stärksten Stellen mal ein vorbeifliegender Jet und dann der Wind in den Bäumen ihren grellen oder rauschenden Beiklang spendeten, war gar nicht mal schlecht. Um in diese romantische Gedankenwelt zu reisen: Es war wie der Wink der Gegenwart „es ist nur Illusion, weir leben im 21. Jahrhundert“ und dann wieder der Hinweis: „Wir müssen uns der Hektik nicht beugen.“