30 Dez.

Neujahrs-Grußwort 2020/21

Benjamin Brenk (Stv. Bezirksbürgermeister)

Benjamin Brenk.

Liebe Leserinnen und Leser der Werdener Nachrichten,

ein ganz besonderes Jahr neigt sich dem Ende zu.
Ein Jahr, in dem die Pandemie das öffentliche und private Leben bestimmte und in vielen Bereichen ausbremste. Bei uns in Werden und Werden-Land genau wie überall auf der Welt. Es war ein Jahr, dessen Alltag durch menschliche Distanz geprägt war, wo sich der Alltag stetig veränderte, ein Alltag, den sich keiner von uns auf Dauer wünscht. Umso entscheidender war und ist es, dass wir alle Grundwerte wie Solidarität und Respekt weiterhin leben sowie die notwendigen Corona-Maßnahmen gemeinsam aktiv umsetzen.

Deshalb an dieser Stelle mein ausdrücklicher Dank für das gute Miteinander in unserem Stadtteil und darüber hinaus.

Die aktuelle Situation fordert auch ehrenamtliche Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker heraus. Wir müssen den Spagat schaffen, mit Vorsicht, Verantwortungsbewusstsein und Fingerspitzengefühl auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren. Ich danke allen, die mich in meiner Funktion als Bezirksbürgermeister unterstützt und mir geholfen haben, diese Aufgabe zu meistern. Es war ein Jahr, in dem auch Wahlkampf geführt wurde. Dieser ist in Werden sehr fair und respektvoll verlaufen, dafür danke ich allen Beteiligten. Die Wahlergebnisse sind bekannt. Sie können mich und meine Partei nicht zufriedenstellen. Sie sind aber zugleich Ansporn, noch enger bei den Menschen zu sein.

Allerdings hat sich 2020 auch was bewegt in Werden. Ich möchte nur die neue Brücke zur Brehminsel oder den sehr gut angenommenen Bücherschrank am Pelikanbrunnen nennen. Eine offizielle Einweihung war bei beiden leider nicht möglich.

Bedauerlicherweise mussten in diesem Jahr viele liebgewonnene Traditionen pausieren. Insbesondere die Menschen, die sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich für diese Traditionen einsetzen, hat dies sehr getroffen – auch mich. Ihr Engagement in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft, in den Vereinen, Verbänden und Institutionen, trägt dazu bei, Werden und Werden-Land lebens- und liebenswert zu erhalten. Danke für ihren Einsatz, bitte bleiben Sie am Ball!

Gleich zu Beginn des Jahres 2021 wird sich bei uns im Stadtteil wieder etwas bewegen. Die Linien der heutigen 180 und 190 werden durch die neuen Ringbuslinien 182 und 192 ersetzt. Das ist ein Gewinn, denn die Taktung ist tagsüber auf einen 20-Minuten-Rhythmus angesetzt. So verbinden die beiden Linien nicht nur die Werdener Quartiere miteinander, sondern schaffen mit der direkten Anbindung an die S6 einen schnellen Weg nach Essen und Düsseldorf.

Ihnen wünsche ich für das kommende Jahr 2021 Glück, Erfolg, Gelassenheit, Zuversicht und Tatkraft für das Erreichen der gesetzten Ziele.

Bitte bleiben Sie gesund oder werden Sie es wieder.

Benjamin Brenk
Stv. Bezirksbürgermeister im Essener Stadtbezirk IX
Mitglied der SPD-Fraktion im Essener Stadtbezirk IX

30 Dez.

Neujahrs-Grußwort 2020/21

Felicitas Schönau (Gymnasium Werden)

Felicitas Schönau

Liebe Leserinnen und Leser der Werdener Nachrichten!

Dieses außergewöhnliche, uns alle ganz unerwartet fordernde Jahr ist nun fast ver­gan­gen und endet so, wie es im Frühjahr begonnen hat – mit enormen Anstrengungen für den Gesundheitsschutz und mit einer Reduktion des äußeren Lebens. Und doch ver­spricht das neue Jahr ein schrittweise befreienderes, glücklicheres zu werden.

Wer hätte das gedacht, dass weltweit forschende Menschen so schnell eine Lösung in Form eines Impfstoffs finden – das stimmt hoffnungsvoll! Und wer hätte gedacht, dass die Schule einmal für viele zum Sehnsuchtsort wird? Dass Schüler und Schülerinnen sich eher über Schulöffnung als über Schulschluss freuen? Die Schule ist ein schöner und geschützter Lebensraum – dies wird inzwischen vielen deutlich und viele sind dafür auch dankbar. Und dennoch ist noch viel Geduld nötig, gesamtgesellschaftlich wie auch in der Schule.

Etliche Monate findet der Unterricht nun schon im Zeichen der Corona-Pandemie statt. Er verlangt von unseren Schülerinnen und Schülern wie auch den Lehrkräften enorme Disziplin und Anpassungsfähigkeit. Der feste Sitzplan lässt viele vertraute Unter­richts­methoden nicht zu, Musik- und Sportunterricht sind nur noch eingeschränkt möglich, fast alle Veranstaltungen, Fahrten und Exkursionen mussten ausfallen – im Terminkalender der Schule stehen kaum noch Termine und auch unser traditionelles Weihnachtskonzert in der Basilika mussten wir absagen.
Und dennoch fand wieder ein Schulleben statt, der menschliche Kontakt im Präsenzunterricht wurde dank­bar erlebt, andere Formen der Darstellung wurden gefunden: Die Aufführung „Vor­hang auf – Bühne frei“ fand im Freien statt. Weihnachtskonzerte und -gottesdienst wurden digital aufgenommen und den Eltern zu Weihnachten wie auf der Homepage zur Verfügung gestellt. Der „Tag der offe­nen Tür Tanz“ am 30.01.21 soll als Livestream übertragen werden. Dabei können wir jetzt schon feststellen, dass ein positives Ergebnis dieser Pandemie bleiben wird – die Digitalisierung hat ihren Platz in der Schule gefunden.

Insgesamt konnten wir das letzte Jahr mit vereinten Kräften gut bewältigen. Ein großes Lob gebührt dabei unse­ren Schülerinnen und Schülern, die sich in der überwiegenden Mehrheit reflektiert, koopera­tiv und verständnisvoll verhalten. Es zeigt sich einmal wie­der: Auf Kinder und Jugendliche kann man zählen!

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Erholung in den Weihnachtsferien, Gesundheit, Freude und Glück im Neuen Jahr und jene kraftspendende, ruhige Gelas­senheit, die uns auch durch Krisenzeiten führen kann.

Felicitas Schönau,
Oberstudiendirektorin, Leiterin des Werdener Gymnasiums.

30 Dez.

Neujahrs-Grußwort 2020/21

Heinz-Josef Bresser (Geschichts- und Kulturverein Werden)

Heinz-Josef Bresser

Wiederum stehen wir am Ende eines ereignisreichen Kulturjahres, und es ist an der Zeit Rückschau zu halten, ohne jedoch den Blick für das Kommende außer Acht zu lassen.

Leider mussten viele Aktivitäten und Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie ausfallen, sie sollen jedoch im kommenden Jahr, wenn eben möglich, nachgeholt werden.

Das alles hat uns jedoch nicht daran gehindert, das Kulturleben in Werden weiter zu beleben.

So ist ein neuer Kräuter- und Heilpflanzenführer erschienen, der Auskunft über die geschichtlichen Hintergründe und Traditionen eines klösterlichen Kräutergartens gibt. Auch sind im nächsten Jahr sachkundige Führungen mit Kräuterkunde geplant.

Das Jahrbuch „Geschichten aus der Werdener Geschichte“ ist erschienen und enthält wiederum zahlreiche Aufsätze über Werden und seine Geschichte.

Die Kunst im öffentlichen Raum soll um ein Objekt reicher werden. Auf der Brehminsel ist eine Metallskulptur des Künstlers Peter Könitz geplant. Der ehemalige Folkwang Schüler hat heute sein Atelier in Wymer (Ostfriesland).

Allen sei gedankt, die durch aktive Mitarbeit und Interesse an Geschichte, Kunst und Kultur unsere Arbeit für das kulturelle Leben in Werden unterstützen.

Ich grüße Sie herzlich im Namen des Geschichts- und Kulturvereins Werden und wünsche Ihnen ein gesegnetes und friedvolles und vor allem gesundes Jahr 2021.

Heinz-Josef Bresser
Geschichts- und Kulturverein Werden

30 Dez.

Die Walcker-Orgel in der Evangelischen Kirche Werden pfeift bald wieder aus befreiten Löchern

Orgelbauer Matthias Wagner überlegte zunächst den Spieltisch zu Weihnachten provisorisch zusammen zu bauen. Nun herrscht keine Eile mehr.

Im Januar durfte sich die Walcker-Orgel in der Evangelischen Kirche Werden stolz das Kompliment „Orgel des Monats Januar“ anheften lassen – verliehen von der  Stiftung Orgelklang.  Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland  gegründete Stiftung Orgelklang erfreute damit die Gemeinde und den Förderverein der Kirche. Für die Gemeinde ist die Orgel ohnehin und immer die Schönste – und das seit 120 Jahren.

Allerdings hatte die alte Dame mit ihren 2492 Pfeifen reichlich Bedarf an einer Schönheitskur. Die Pfeifen wurden im Sommer ausgebaut und gereinigt.  Drei Orgelbauer mit Walcker-Erfahrung reisten eigens aus Spanien an, um die Fleißarbeit zu erledigen. Schließlich wurden die Pfeifen  mit Alkohol ausgepinselt. Sie waren stark verschmutzt und teilweise von Schimmel befallen. Viele der dünnen Lederbälgchen der Traktur, die aus hauchdünn geschabten Leder bestehen und gefaltet sind, hatten feine Risse in der Faltung.  Laute Spielgeräusche und Heuler machten den Organisten zu schaffen.. So mussten vor einem Konzert sehr kurzfristig mehrere Pfeifen ausgebaut werden, die ansonsten dauerhaft getönt hätten.
 
Um an die rund 500 kleinen Bälgchen im Spieltisch heranzukommen, mussten die Manuale und viele Hundert Bleirohre ausgebaut werden. Nach Diagnose durch den leitenden Orgelbauer Matthias Wagner müssen alle Bälgchen getauscht werden, damit die Orgel wieder für die nächsten Jahrzehnte sicher funktioniert. Baukirchmeister Bodo Besselmann hoffte, dass die wesentlichen Arbeiten bis Weihnachsten fertig würden. Da jedoch nur eine provisorische Lösung mit einer teilweise einsetzbaren Orgel möglich gewesen wäre, entschied sich die Gemeindeleitung dagegen.
Wetterfühlig ist diese Königin der Instrumente auf ihre alten Tage auch geworden, egal ob trocken, nass oder  kalt: Sie lässt wissen, dass nicht nur Klaviere es wohltemperiert lieben, sondern gerade auch sie insbesondere.
Rund 120.000 Euro, so die Berechnungen der Verantwortlichen, werden die Arbeiten kosten. Die Stiftung Orgelklang stellte — eine Projektspende des örtlichen Fördervereins inklusive — 28.000 Euro zur Verfügung. Bundesfördergelder in Höhe von 50.000 Euro wurden im Sommer zugesagt und werden derzeit abgerufen. Zusätzlich wurde der Sanierungsfonds mit privaten Spenden, Benefizkonzerten und Orgelführungen gefüllt. Auch ehrenamtliche Hilfe, die für die Bewirtung bei den Führungen  sorgte, war hilfreich. 

Mit 37 Registern und pneumatischer Traktur ist  Opus 885 der berühmten Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker ein beeindruckendes spätromantisches Werk, das bei vielen Organisten seinerseits romantische Gefühle hervorruft: Kann man sie doch wispern, jauchzen oder dröhnen lassen;  ob kontrastreich oder ineinandergreifend, die Klangfarben dieser Orgel sind in ihrer Kombination überdurchschnittlich. Die Rarität, die nahezu stufenlos pneumatisch aufdreht, nutzt heute Windtechnik aus den Siebzigern. Den romantischen Klang, der 1903 Mode war, teilte sich die Orgel mit 120 Orgeln jährlich. Die Walcker-Orgeln standen weltweit in großen Kirchen und Konzertsälen; und die meisten verschwanden auch wieder. Heute ist die Werdener Orgel denkmalgeschützt. Um Haaresbreite entkam sie einer „Modernisierung“, die schon geplant war. Die Währungsreform vereitelte die Pläne ganz pragmatisch. Es war plötzlich kein Geld mehr da.  Ihr  Kaufpreis von 17.000 Mark war seinerzeit vom Fabrikanten Geheimrat Friedrich A. Krupp finanziert worden.

30 Dez.

Neujahrs-Grußwort 2020/21

Prof. Dr. Andreas Jacob (Folkwang Universität der Künste)

Andreas Jacob. Veronika Kurnosova

Was hat Folkwang im Corona-Jahr an Erfahrungen gesammelt und was sind unsere Hoffnungen und Wünsche für das neue Jahr?

An einen Unterrichts- und Veranstaltungsbetrieb, wie er für das Leben an einer Kunst- und Musikhochschule nicht nur prägend, sondern notwendig ist, war dieses Jahr nicht zu denken. Anders als an wissenschaftlichen Hochschulen stellen Kontaktbeschränkungen bis hin zur Umstellung auf reine Online-Lehre ja nicht allein hinderliche und mühselige Auflagen dar, sondern betreffen den Kern des Studiums. Am Beispiel Tanz: Wie soll die künstlerische Bühnenreife erlangt werden, wenn Studierende gar keinen Trainingssaal, geschweige denn eine Bühne betreten dürfen? Das Wort „Herausforderung“ wäre also bezogen auf die pandemiebedingten Ereignisse für die Folkwang Universität der Künste deutlich zu niedrig gegriffen – und derzeit befinden wir uns wieder in der schon einmal durchlebten Situation, dass weder Üben noch Präsenz-Unterrichte möglich sind…

Gerade in dieser misslichen Lage durften wir uns allerdings auch für Unterstützung aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft bedanken: Durch großzügige Zuwendungen von Fördererinstitutionen war es immerhin bis jetzt möglich, unsere Studierende mit Notfallhilfen zu versorgen und ihnen damit ein Existenzminimum zu sichern, als sie durch wegfallende Auftritts- oder anderweitige Verdienstmöglichkeiten plötzlich vor dem Nichts standen. Die Verlängerung der Regelstudienzeit um ein Semester sowie zahlreiche Sonderregelungen der Politik halfen dabei, Studienverläufe situativ anzupassen.

Und schließlich waren es auch der Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger, die Erinnerung an den Stellenwert eines bislang als normal geltenden kulturellen Lebens, die unsere Angehörigen durch diese Monate getragen haben – bis hin zur erhöhten Toleranz gegenüber den notwendiger Weise in Privatwohnungen verlagerten Übeaktivitäten der Studierenden in sowieso schon nervenaufreibenden Zeiten. Statt des eigentlich gesetzten Favoriten „Beethoven“ wurde 2020 bekanntlich „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gewählt – das darf gerne wieder anders werden!

Prof. Dr. Andreas Jacob
Rektor der Folkwang Universität der Künste