10 Aug.

Die frühe Möve scheißt aufs Deck

Skipper Arndt; nur die Möwen standen früher auf.

Skipper Arndt; nur die Möwen standen früher auf.

Heute ging es um 6 Uhr los, in einem Zug zurück in den Heimathafen; mit einem müden, sehr kurz angeekelten und lange entspannten Skipper Arndt.

Gestern haben wir uns noch einmal ein feines Abendessen in Terschelling gegönnt. Eine Empfehlung, wer auch immer diesen Tipp ins Buch geschrieben hat, er hatte viel Geschmack und wenig Hunger. Das war so ein An-Lokal, wo das Essen zum Glück immer an Größerem zu finden ist: drei Vorspeisen auf einer wirklich riesigen Platte, so dass man die Köstlichkeiten kaum fand. Als Hauptgericht haben wir Fisch genommen. Den kleinen Salat mussten wir uns teilen, das Pommes-Schälchen auch. Und die beiden Fischfilets ließen noch genügend Tellerfläche übrig. Das Eis war dafür klar definiert: Zwei Eisballen an einem Mousse. Mousse war Mist.

Dafür war der Hafenblick nett, der Sonnenuntergang schön und die Bedienung beides. Ich habe auf dem Schiff noch eine Gute-Nacht-Schokolade gegessen: 200 g wohl gemerkt.

Ich weiß nicht, was die Möwe gegessen hat, die auf unser Schiff alles hat fallen lassen, kurz bevor wir um 6 Uhr aufgestanden sind. Herausgekommen ist jedenfalls eine heilige Scheiße, die meinen Skipper sehr geekelt (siehe oben). Gestern Abend hatte er noch unter Einsatz seines Lebens die Macke repariert, die der Katamaran in den Bug bugsiert hatte. Mit Gaffa-Tape. Ich liebe dieses Band, mit dem man zur Not die Welt reparieren könnte, sollte sie einmal zerreissen wollen.

Bei einem wundervollen Sonnenaufgang sind wir dann mit frisch geschrubbtem Deck gestartet.

Die Sonne geht im Westen von Terschelliung auf.

Die Sonne geht im Westen von Terschelling auf.

Wir waren nicht die einzigen, aber bald die Schnellsten. Ich konnte dem Skipper eine selbstgezimmerte Weisheit vom „Skaten um den Baldeneysee“ mitgeben: „Zuerst freust du dich, wen du alles überholst. Aber am Ende auf der Tribüne beim Entspannen zählt viel mehr: Keiner hat Dich überholt.“

Die Lydia ist eine echte Rennsense (Für Kenner: Beneteau Sense 50). Wie gesagt, nur mit Focksegel — Hauptsegel-Leine (?) kaputt —  haben wir mächtig Tempo gemacht, wenn der Wind einigermaßen passte. Nur die Fähren waren schneller und dreister, obwohl die Schleuderkurve durch zwei Segler hatte etwas vom besten Tokyo-Drift.1407648981382

Dass sich in der Schleuse zum Ijsselmeer dann mehrere Segler vorgepfuscht haben, will ich gar nicht erwähnen; aber vielleicht, dass ich uns in der Schleuse mit einem perfekten Seilwurf in gefühlten 1,7 Sekunden fest gemacht habe; und manche eingespielte Team mit bis zu vier Leuten länger gebraucht haben.

Daher habe ich später gar nicht verstanden, dass mein stets entspannter Skipper Arndt mich vor unserem Heimathafen Hindeloopen so ermahnt hat, „konzentriert und nicht nachlässig“ beim Anlegemanöver zu sein. Abgesehen davon, dass dort ein erfahrener Captain aus den Niederlanden auf dem Steg die Schnur angenommen und perfekt vertäut hat, so dass ich meine gewonnenen Fähigkeiten und bewahrte Konzentration und Ernsthaftigkeit nicht beweisen musste, hat auch der Skipper dieses für ihn Routinemanöver so super gemacht, dass eine hundertjährige Strickmamsell sein Boot vertäut hätte. Und ich wäre sogar über mehrere Meter weit ans Ufer gesprungen, wenn es nötig gewesen wäre. Ich war bereit! Zu allem!

Es soll ein Unwetter aufziehen; und wir sind im Hafen. Die Welt ist doch gut, Skipper! Der schläft!

Im Norden und Süden tummeln sich unzählbar viele Kite-Surfer. Die werde ich gleich mal besuchen. Anderseits: Es dröppelt schon!

Samstag Abend Licht;

Samstag Abend Licht;

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Abendlicht

09 Aug.

Zurück durchs Watt — Projekt verschoben

 

Der Oldtimer aus USA. auch dort kannte man uns schon.

Der Oldtimer aus USA. auch dort kannte man uns schon.

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Am Donnerstagabend hat der Skipper eine geniale Spaghetti-Sauce Bordolese gemacht; allerdings ist das bei der Menge an Sahne( drei Töpfchen) auch eine Energie-Sauce mit unendlichen Kalorien. Vom Hafenkontor Vlieland klingt eine hervorragende Live-Jazzrock-Band herüber. Musikfestival. Der Skipper geht früh schlafen; ich schreibe noch ein wenig.

 

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Samstag morgen: Gestern sind wir 72 Seemeilen gefahren, leider aber nur 2 km nach Norden gekommen. Ein wunderbarer Morgen bei der Hafenausfahrt um 6 Uhr. Raus aus dem Watt und draußen mit Motor Richtung Osten. Nordseetaufe gewissermaßen. Es peitscht uns entgegen. Zum Frühstück Brot mit Honig (Skipper) und Marmelade (Laie). Mittags gibt es Pfannkuchen. Nachdem wir um 12.30  Uhr nach sechseinhalb  Stunden nur 26 Meilen gegen den Ostwind geschafft hatten und auch keinen Durchschnitt von 5 Knoten (unter 12 km/h) erreichten und eine Gewitterwarnung für 19 Uhr kam, brach der Skipper den Versuch der 60 Meilen nach Borkum ab.

Waffen von einer Schlacht der Holländer irgendwo in Afrika oder der Karibik?

Waffen von einer Schlacht der Holländer irgendwo in Afrika oder der Karibik?

Rückstoß nach Vlieland; und damit haben wir das Projekt aufgegeben: „Hamburg bis zum nächsten Wochenende“.

Beim Segel aufziehen splittete sich zudem die Leine, die das Hauptsegel hochzieht. Das können wir nicht reparieren, meinte mein Chef an Bord, zurück zum Heimathafen. Aber erst einmal bei nun Windstärke 6 und nett hohen Wellen an Terschelling vorbei wieder nach Westen nach Vlieland. Ich schlafe ständig ein, was ich bei diesem Seegang etwas wunderlich finde. Da bricht sich etwas Aufgestautes Bahn.

Doch es wird ernster: Regenkleidung, Rettungswesten, und wir haken uns an Bord mit einem Gurt fest. Der Bogen in die Durchfahrt wirkt für mich Laien schon sehr nett, allein das Vorsegel bringt uns auf 6,4 Knoten durch metertiefe Wellentäler.

Aber bald wirken die Wellen draußen auf der Nordsee gemütlich, denn im Wattenmeer geht der Regen und Wind erst los.

Der Hafen Vlieland ist voll. Nun wollen wir nach Terschelling, der Hafen ist innen. Der Riesenbogen in den Hafen wird zur Tortur, zumal Fähren eng an uns vorbei brettern. Bei Regen ist die nächste Tonne auch nicht unbedingt gut zu erkennen.

Bei der Hafeneinfahrt ist immer noch guter Wind, der bleibt auch, und macht es nicht leicht „als Päckchen“ an ein anderes Schiff anzulegen. Das mussten wir eigentlich bisher immer: Nicht am Steg sondern an einem anderen Schiff anlegen. Immer zu voll. Das geht nur mit Hilfe von Fendern. Das sind hier keine brettharten Gitarren, sondern weiche Stoffzylinder, die Schiffe davon abhalten, einander zu beschädigen. -Diesmal Drehung auf engstem Raum. Das Schiff gegen den Wind seitlich ansteuern. Alle helfen, die gerade an Bord sind, auch an dem Päckchen-Schiff und nebenan.

Nun liegen wir an und unsere Lydia ist hafenbekannt.

Im schönen Ort spricht man mich an, als ich einen US-Oldtimer anschaue: „Ihre Lydia ist doch viel schöner, jünger und sperriger.“ Witzbolde!

Der Hafenmeister ist nett, aber mit einem eigenen Humor ausgestattet: „Wir haben Wireless-Lan, gratis! Klappt manchmal, meistens nicht. Sonst hier im Kontor-Vorraum geht es immer, auch mit Kabel.“ Wireless? Er hat Recht, zumindest mit den Nicht-Klappen, das Klappen im Vorraum kann ich nicht probieren, weil ein Regen einsetzt, der mich (nun ohne Regenkleidung) gewaschen hat.

 

 

Freitagmittag:  Und gerade um 6.30 Uhr morgens regnet es sehr stark und windet noch mehr. Es treibt die Schiffe zusammen, Fender verbessern, Leinen zum Festzurren verstärken, ziehen und schieben. Der Wind treibt die Boote trotzdem im Yachthafen zusammen wie Schafe.

Samstag Morgen: Regen, nervöse Holländer, ein Katamaran, der unser Boot rammt. So geht es bis 11.30 Uhr weiter, nun scheint die Sonne. Wetteraussichten: Wind 7 und Regen bis Montag. Terschelling wird wohl unsere Ferieninsel zunächst.

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Man sieht es nicht, aber es ist rauhe See. Windstärke 6, aber ab jetzt macht er es nicht m,ehr unter 7.

Der Wind bleibt uns erhalten: Heute Abend um 19 Uhr ein Loch, aber der Skipper mag es nicht im Dunklen. Verständllich. Also morgen früh, sonst müssen wir hier bleiben.

 

Wenn Ihr das hier lest, habe ich es doch zum Kontor geschafft.

 

08 Aug.

Die Werdener Nachrichten vom 8. August

In Werl wurde ein Muslim Schützenkönig – doch der Dachverband der Schützenbruderschaft wollte ihm die Krone wieder abjagen: Er habe den falschen Glauben. Ob ein solches Vorgehen auch bei den Werdener Schützen möglich wäre, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der Heimatzeitung. Dass Kutel-Gelände ist wieder im Gespräch für eine Flüchtlingsunterkunft: Das Land will in essen ein überregionales Lager schaffen und die FDP sähe dieses gerne auf eben diesem Areal – die Grünen halten das für keine gute Idee.
Außerdem: Die Geschichte einer Freundschaft eines Werdener Arztes zu einer Weltumfahrerin, das Pfingst Open Air erlangt Filmreife, und Kinder werden am Haus am Turm zu Zirkusartisten.

Karikatur