Der Bagger ist da – ein Nachruf
Sie war nicht schön, aber erfüllte ihren Zweck, wie einst der Volkswagen oder die Mondfähre. Nun ist sie von Werden gegangen.
An diesem Nachmittag kam schon der Bagger zur Parkpalette. Die sie im Stich gelassen hatten, konnten es mit dem Begräbnis nicht eilig genug haben.
Zwei Jahre interessierte das Bauwerk die Verwaltung nicht und auch keinen Ratsherren außer Kranz, dann wollten alle im Ausschuss außer dem Vorsitzenden auf einmal blitzschnell den Abriss, ohne die BV zu fragen. Ein Blitzantrag, der erst zwei Tage vor der Sitzung fertig war. Nicht einmal der Rat wurde damit befasst.
Sie wurde nicht älter als 25 Jahre, und hätte bei allen häßlichen Tags (Buchstaben-Schmierereien) doch ein würdigeres Ende verdient; zumal die Zukunft offen ist. Sie war keine Schönheit von Geburt, hat sich aber immer gern üppig in Grün gekleidet. Geduldig hat sie die verrücktesten Parkversuche erduldet, Schmierereien im Unterleib ertragen; hat Schülern in den Pausen auch als Versteck gedient; kleine Streits gehört, aber viel öfter das Weitergeben eines Parkscheins erleben dürfen. Sie hat den Politesses des Ordnungsamtes das spärliche Licht nicht verweigert. Im Winter hat sie dem Frost getrotzt; und musste sich doch dem üblen Biss des Salzes ergeben. Die sinnlosen Sicherheitsstützen hat sie belächelt.
Nie hat die Parkpalette erfahren, welcher Ingenieur vor zwei Jahren bescheinigte: Nicht mehr zu retten.
Ihre Hilferufe um ein zweites Gutachten blieben unerhört. Sie bekam nie die Chance einer alternativen Therapie. Anonym blieben ihre Gegner. Nie hat es jemand interessiert, wer 1986 den Pfusch zugelassen hat; wusste man damals doch sicher schon Einiges über Beton.
Keine CSI-Spezialisten werden auch nur eine rostige Stange untersuchen, um heraus zu finden: Wer hat sie verletzt? Und wer durch Unterlassung dann ermordet? Wann wäre sie noch zu retten gewesen?
Werden ist ohne sie nicht hässlicher, aber ärmer dran.
G.B.