Watt nen Schitt

Wunderschönes Schiff von hinten.
Ich war noch nie ein so großer Freund des Wattenmeeres; schwarz mit Würmern drin, keine Wellen. Jedenfalls lagen heute morgen und liegen heute Abend die Zeiten so ungünstig, dass wir entweder im Dunklen durch das Watt hätten segeln müssen; oder heute Abend so spät aus dem Ijsselmeer kommen, dass wir Vlieland nicht vor 22 Uhr erreichen; sagt mein Skipper. Damit hat sich der Törn am Start um einen Tag verzögert. Mir soll es egal sein, weil ich jederzeit aussteigen darf und auch Mitte nächster Woche muss, aber ich würde meinen Skipper ungern vor Hamburg allein lassen. Man hat ja gehört, dort gebe es ein verrufenes Viertel.
Aber wir sind ja noch in Hindeloopen, und da ist es schön, zumal dort das Museum ist für die Elfstedentocht, den sagenhaften Eisschnelllauf der Holländer; und das Paar, das jenes Museum betreibt, ist super nett. Das interessiert meinen Skipper weniger, weil er über Karten brütet, wie wir gut und sicher durchs Watt kommen, bei vielleicht Gewitter und irgendwie einer Gegenströmung 1.
Wenn das Watt häter wäre, Black Ice, könnte ich ihm Rollschuhe leihen. Unsinn? Ja.
Aber mit dem Watt ist auch ein Schitt.

Von vorne sieht es noch schnittiger aus; aber für Watt eben schon sehr tiefgängig mit Kiel.
Manchmal sollte man einfach sich auf den 20-Jährigen Sohn verlassen, manchmal auch nicht. Nachts hat er mich in den Kinofilm „The Purge 2: Anarchy“ geschleppt, der mich an die guten alten Warriors von Walter Hill und Klapperschlange von John Carpenter erinnerte, nur alles noch abgefahrener, weil das Chaos von der Regierung für eine Nacht gewünscht wird und sogar noch mehr. Da passt Anarchy natürlich irgendwie. Sonst ist es ein klassischer Überlebensreißer, und als solcher gut gemacht. Eine Nacht im Jahr sind die Straßen für unbestrafte Straftaten freigegeben. Und mit Plünderungen hält sich dieser zweite Filrm zu diesem Grundgedanken nicht lange auf: Es geht nur noch um Morden, und eine Gruppe findet zusammen, um nicht zu morden, sondern zu überleben; wobei die Motive des Leaders dieser Gruppe bis zum Ende nicht klar werden. Dafür sind die Dekadenz und die Bosheit der Staatsmacht bald in sehr ekelerregender Form zu sehen. Während ich in der Vorstellung mehrmals gedacht habe: „Was ist das denn?!“ dachte ich nach dem Film um 1 Uhr nachts im noch lebendigen Halle an der Saale: „Nun ja, da macht die Realität doch Mut!“











