07 Feb.

Frau Müller — muss man hin

Müller2Ich könnte ja…   die Überschrift gleich wieder zurück nehmen. Man muss nicht in den neuen Kinofilm von Sönke Wortmann  gehen; aber es ist ein Vergnügen.

Ja, Wortmann, der war gestern hier schon Thema. Irgendwie habe ich mir gedacht, dann gehste auch mal in den Neuen von ihm. Vorher habe noch eine liebe alte Bekannte getroffen, die viele Werdener noch kennen: Sonja Fleck bzw. Giepen, die einst bei uns gearbeitet hat, wir sagten ,Sonja Sonnenschein‘ wegen ihrer stets guten Laune. Jedenfalls räumte sie fast verschämt ein: „Wir gehen gleich in ,Frau Müller muss weg‘, wegen der Kinder.“

Nun ja, ich räumte ein, dass ich keine Entschuldigung habe, nur Vorfreude. Zu Recht!

Es war ein vergnüglicher Film, kein großes Werk, aber 25 Jahre nach dem Mauerfall eine erschreckend präzise Analyse von Ost und West, Helikopter-Eltern, bisweilen hilflosen Lehrern und getriebenen Eltern, dazu Kindern, die leider zu den altbekannten Problemen (,Ausgrenzen‘ oder eben neudeutsch ,Mobben‘) noch ein paar mehr aus unserer Zeit mit sich herum schleppen. Nicht immer hält der Spannungsbogen des Films: Am Kakaoautomaten und im Bad hängt er durch und neigt zum Albernen. Natürlich ist Sönke Wortmann zu sehr ein Menschenfreund, um das Böse bis zum Exzess durch zu ziehen. Es gibt immer die Momente, in denen er aufs Publikum schaut und Nachsicht übt.

Das ist angenehm, denn auch so findet der Zuschauer sich als überforderter Elternteil eins zu eins und damit unausstehlich wieder.

Man mag Sönkes letzte Beisshemmung verurteilen, aber es gibt trotzdem reichlich Momente in dem Film, in denen jeder Dialog eine pausenlose Reihe von Zitaten für ein Best of-Buch ergibt; was vermutlich schon im Bühnenstück angelegt  ist.

Es gibt eine nicht ganz überraschende, aber gut ausgespielte Wendung am Schluss. Da sollte man aber nicht zu viel erwarten, das ist kein Krimi. Anke Engelke spielt die Karriere-Mutter zwar eher wie in Ladykracher, also an der Grenze der Glaubwürdigkeit, dafür ist Alwara Höfels so sympathisch wie man es nur sein kann, solidarisch, auch überfordert und doch die stille Heldin des Films. Die Heldin ist aber ebenso Gabriela Maria Schmeide, bei der man immer versucht ist zu sagen: „Das ist doch eine Lehrerin, keine Schauspielerin!“ Frau Müller ist nicht die perfekte Lehrerin, aber sie das beste, was man in diesem längst verkorksten Dreieck von Schule, Elternhaus und Welt erwarten kann.

Letztlich zeigt sich Sönke Wortmann einmal mehr als guter Handwerker, der leider erst zum Künstler aufläuft, wenn er auch das Drehbuch mit in die Hand nimmt, eben Neues schafft: Kleine Haie, das Wunder ….

06 Feb.

Sönke mit großem Hai

19399763Sönke Wortmann (aktuell mit Frau Müller muss weg, sonst u.a Das Wunder von Bern, Der Bewegte Mann) will nun mit „Sommerfest“ eine Ruhrgebietskomödie drehen, frei nach dem Buch von Fran Goosen (Woanders ist auch Scheiße); was ja schon so eine Spitzenkombination ist. Wortmann drehte 1991 mit „Kleine Haie“ zwar keine Ruhrgebietskomödie, aber schrieb in diesem Roadmovie von Werden nach München mit Vogels Stuhlszene bei Folkwang Filmgeschichte und schuf mit Armin Rohde als „Bierchen“ eine Kultfigur. Die Hauptdarsteller dieser Komödie starteten allessamt damit große Karrieren.

„Das wunder von Bern“ nach seinem Film wurde von Folkwang-Professor Gil Mehmert inszeniert.

Man darf gespannt sein.

05 Feb.

Die Werdener Nachrichten vom 6. Februar

Lange haben wir nicht mehr so spät in den Abend hinein produziert wie heute. Es hat sich gelohnt, weil nicht nur das Kutel frisch aufgeschäumt ist, da sind wir bis in das unterste Stockwerk der Bibliothek über eine super lange Treppe hinabgestiegen, um mit den besten Vorleserinnen wieder an das Tageslicht zu kommen. Noch höher und tiefer ging es im Ruhrmuseum für Chargesheimer. Ganz unten im finsteren Bunker kam die Erleuchtung, die Frank Goosen schon früher hatte. Apropos Erleuchtung: Noch zwölf Tage, dann beginnt die Fastenzeit; und vorher am übernächsten Sonntag feiern die Werdener gemeinsam Karneval. Der Saalkarneval wirkt ohne Kruse nicht mehr ganz so prunkvoll wie einst, aber Völl Freud freut sich über Heisinger Gastfreundschaft; ob es erheitert zurück über den See geht, wie einst bei den Heisinger Pfarrkindern von Lucius? Wir werden sehen. Apropos sehen: Auf Seite 8 wartet ein schönes ganzseitiges Bild auf die Leser. Bei „Geblieben“ sind wir auf den Pastoratsberg gestiegen. Schauen Sie mal. Das und noch viel mehr in der Werdener.040215 2 Kopie

03 Feb.

Nicht immer wechseln — zwei Euro und dann?

Eine Leserin ist nun dreimal Opfer eines jedesmal versuchten Wechseltricks geworden. Jedesmal sei sie von einem Mann angesprochen worden, ob sie 2 Euro wechseln könne. Einmal sei das im Durchgang zur Sparkasse geschehen, worauf sie auf dieses Institut verwiesen habe. Stattdessen habe der Bittende den Weg zur Abteistraße fortgesetzt, wo schon eine große Limousine wartete, in die er mit einem, weiteren Mann einstieg, der in etwa zehn Metern gewartet habe. Warum die Täter jedesmal sie ausgewählt hätten, sei ihr nicht klar. Eingelassen habe sie sich auf nichts. –  Der Trick basiert auf Ablenkung, auch optisch, und der Hilfe oft eines zweiten Täters. Leider kann die Betroffene weder die Täter genau beschreiben, noch das Auto. Dazu sei sie bei aller Routine als dreifaches potentielles Opfer doch immer zu aufgeregt gewesen.