29 Dez.

Neujahrs-Grußwort 2020/21:

Oberbürgermeister Thomas Kufen

Thomas Kufen. Foto: Ralf Schultheiß

Liebe Leserinnen und Leser,

im Jahr 2020 haben wir durch die Corona-Pandemie auf vieles verzichten müssen, was uns lieb und teuer ist. Auch das neue Jahr beginnt mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens, um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Aber es gibt auch positive Nachrichten für die kommenden Monate. Die anstehenden Corona-Schutzimpfungen bieten uns die Chance, schrittweise in die Normalität zurückzukehren.

Auf die Impfaktion sind wir in Essen gut vorbereitet. Feuerwehr Essen, Hilfsorganisationen und Kräfte der Stadtverwaltung arbeiten hierfür Hand in Hand mit der Kassenärztlichen Vereinigung zusammen. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis jeder der möchte, auch seine Impfung erhalten kann. Das erfordert Verständnis und Rücksicht von jedem von uns. Zugleich hoffe ich, dass die große Welle der Hilfsbereitschaft anhält, die insbesondere ältere und hilfebedürftige Menschen bislang erfahren haben.
Auch in Werden haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit großem Einsatz ihre Mitmenschen unterstützt. Diese Solidarität macht mich stolz auf unsere Stadt.

Als Oberbürgermeister erlebe ich gerade in Werden ein starkes Netzwerk des Mit- und Füreinander. Die Menschen im Stadtteil sind zugleich vorbildlich, wenn es darum geht, mit guten Ideen unser Zusammenleben zu bereichern. Deshalb verwundert es nicht, dass im Jahr 2020 die Gewinner des Heimat-Preises der Stadt Essen und des bundesweiten Fairtrade-Award in der Kategorie Nachwuchs aus Werden kommen. Ich freue mich mit den Preisträgern über die Auszeichnungen und noch mehr freue ich mich über die positive Energie, die damit einhergeht. Wir können diese Energie mehr denn je gut gebrauchen. Daran schließen meine Wünsche für das neue Jahr an: Bleiben wir gemeinsam zuversichtlich und stehen wir weiterhin füreinander ein!

Mit diesem Ausblick wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gutes und vor allem ein gesundes Jahr 2021.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Kufen
Oberbürgermeister der Stadt Essen

28 Dez.

Auch die nächste Ausgabe der „Werdener Nachrichten“ kann nicht erscheinen

Der Hackerangriff auf die FUNKE Mediengruppe, zu der auch die Werdener Nachrichten gehören, dauert an. Daher kann auch die nächste Ausgabe der Werdener Nachrichten, die am 31. Dezember geplant war, nicht erscheinen.
Wir entschuldigen uns abermals für die Unannehmlichkeiten und bitten um Verständnis.

Betroffen vom Angriff sind zahlreiche Computersysteme im gesamten Bundesgebiet – auch unsere Redaktion und unser Druckhaus. 

Die FUNKE Mediengruppe setzte nach dem Angriff sofort eine Taskforce aus Technik-Experten ein, die seitdem unter Hochdruck nach Lösungen sucht. Auch Staatsanwaltschaft und Datenschutz-Behörden sind eingeschaltet, das Landeskriminalamt leitet die Ermittlungen.

Um weitere Schäden an der Technik zu verhindern, wurden sämtliche IT-Systeme heruntergefahren. Damit sind alle Redaktionssysteme und die gesamte Technik für die Zeitungsproduktion ausgeschaltet, ein ansatzweise normales Arbeiten ist aktuell nicht möglich.

Auf waddische.de versorgen wir Sie „zwischen den Jahren“ weiter mit aktuellen Berichten aus Werden Stadt und Land. Auch die Grußworte zum Jahreswechsel, die Sie normalerweise in der Silvester-Ausgabe finden würden, drucken wir diesmal online auf unserer Homepage ab.

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, trotz allem einen guten Start ins neue Jahr und hoffen, Sie 2021 so schnell wie möglich in gewohnter Qualität mit den „Werdener Nachrichten“ versorgen zu können.

Ihre Redaktion der Werdener Nachrichten.



28 Dez.

Rückblick: Offene Kirchen in Heidhausen im Advent 2020

St. Kamillus war im Advent geöffnet.

Das Jahr 2020 ist fast zu Ende und es war in der Tat ein sehr ungewöhnliches Jahr. Begonnen hatte es mit riesigen Waldbränden in Australien und dann kam die Pandemie dazu, die bis jetzt die Nachrichten beherrscht. Für viele von uns ist der Gedanke an eine Gefahr für Leib und Leben etwas ganz und gar Ungewohntes, und es ist schwer auszuhalten, dass selbst die Wissenschaft auf viele Fragen keine Antworten hat, von Lösungen ganz zu schweigen.

Die Folge waren Einschränkungen, die sehr schmerzlich waren: Es gab keine Gottesdienste mehr, die Seniorenheime waren geschlossen, Besuche im Krankenhaus nicht mehr erlaubt.

Die steigenden Infektionszahlen machen derzeit wieder einen harten Lockdown erforderlich mit all den Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten, die uns noch allzu gut in Erinnerung sind.

Da war es ein ganz und gar unerwartetes Geschenk, dass sich trotz der widrigen Umstände ein Team fand, das sich dafür einsetzte, dass es auch, vielleicht gerade in diesem Jahr die „Offene Kirche im Advent“ geben müsse. Und sie haben es in der Tat geschafft, ein beeindruckendes Programm auf die Beine zu stellen: Es wurden Schweige- Meditationen angeboten, die ja in St. Kamillus schon Tradition sind. Man konnte sich beim Bibel teilen via Zoom einklinken und sich dort mit anderen austauschen. Es gab kreatives Malen an der Kirche oder weihnachtliches Geocaching und noch vieles mehr.  

Es gab Andachten, die sich als echte Herzstücke für den Besucher erwiesen. Liebevoll vorbereitet boten sie immer reichlich Stoff zum Mitdenken und Mitfühlen und luden jeden herzlich ein, dabei zu sein und mitzutun. Daneben bestand auch die Möglichkeit, Instrumentalmusik zu lauschen- von besinnlichen Texten eingerahmt- das war einfach wunderschön und herzergreifend.

Es war aber auch die Atmosphäre in der Kirche selbst, die dafür sorgte, dass jeder Besucher sich willkommen und wohl fühlte: Wie jedes Jahr war auch jetzt die Kirche verzaubert durch die Lichtinstallationen von Christian Paeger. Es brannten Kerzen und es lief leise Musik und jeder konnte kommen und still in der Bank seinen Gedanken nachhängen und zur Ruhe kommen.

Die Kirche stand- wie der Name der Aktion das verspricht- jedem jederzeit offen.

Diese „offene Kirche im Advent 2020“ erwies sich als Kraftquelle- sie bot gleichzeitig Inspiration, Trost und Beruhigung an und jeder Besucher konnte sich das mitnehmen, dessen er am meisten bedurfte. Die Reaktionen der Besucher und der häufig ausgesprochene Dank zeigen, dass hier ein Nerv getroffen wurde.

Danke allen, die daran mitgewirkt haben und die dafür Sorge getragen haben, dass jeder Besucher sich auch sicher fühlen durfte in diesen Zeiten der Pandemie.

28 Dez.

Heidhauser Heiligenhäuschen erstrahlt im neuen Glanz

Alfred Kleinfeldt (l.) vom Werdener Heimat- und Bürgerverein stellt mit Goswin Apolte das von diesem aufpoliere Kreuz ins frisch sanierte Heiligenhäuschen an der Jacobsallee. Foto: Gordon K. Strahl

In einem eher unheiligen Zustand hatte sich das Heiligenhäuschen an der Jacobsallee, Ecke Barkhovenallee befunden. Das Relikt, der Werdener Flurprozession war stark verwittert, Risse zogen sich durchs Mauerwerk. Nun endlich erstrahlt das Heidhauser Heiligenhäuschen in neuem Glanz – sehr zur Freude des Werdener Bürger- und Heimatvereins (WBH), der sich stark für die Sanierung eingesetzt hat.

Was vorher grau-grün ein Schattendasein zu fristen schien, ist seit Anfang November wieder ein strahlendes Schmuckstück. Am frühen Dienstagnachmittag haben sich WBH-Vertreter am Heiligenhäuschen versammelt – um das letzte fehlende Stückchen einzusetzen: das Kruzifix, das Goswin Apolte eigenhändig restauriert hat. Dafür hat er es vom Rost befreit und die weiße Farbe des Metallkreuzes erneuert.

Ursprünglich sollte Propst Jürgen Schmidt die Ehre zuteil werden, diesen letzten Schritt in der Sanierung zu tätigen. Deshalb hat der WBH über Wochen vorher diesen Termin mit dem Propst abgesprochen. Doch am Morgen kam die kurzfristige Absage. Alfred Kleinfeldt vom WBH zeigt Verständnis: Denn der Corona-Lockdown treffe alle – und nicht zuletzt die Kirchen.

Der Propst lässt ausrichten, dass er zu einem späteren Zeitpunkt seinen Besuch nachholen möchte“, so Kleinfeldt. So lange soll die Kammer des Heiligenhäuschens allerdings nicht mehr leer stehen. Und so bleibt Kleinfeldt die ehrenvolle Aufgabe, das Kruzifix samt wieder hinein zu stellen: Nun ist die Jesus-Figur wieder an ihrem angestammten Platz. „Er soll künftig die Vorbeikommenden grüßen und zu Fürbitten an diesen historischen Ort einladen.“

Dass sich der WBH so für die Sanierung des Heiligenhäuschens, deren Finanzierung durch Stadt, Bezirksvertretung und Sponsoren sichergestellt wurde, muss nicht verwundern: Ist es doch Bestandteil des Historischen Pfads Werden-Land, der im Oktober 2017 eingeweiht wurde. Die Initiative dafür ging vom inzwischen verstorbenen HBV-Mitglied Hannelore Kahmann aus: Sie wollte auf den 13,5 Kilometern die Schön- und Eigenheiten der vier Honnschaften in den Mittelpunkt stellen, nachdem der WBH mit seinen Ruhrperlen Sehenswürdigkeiten von Werden-Stadt herausgestellt hatte.

Nun können Interessierte entlang des Pfads auf 17 Informationstafeln Wissenswertes über die Geschichte des Werdener Landes erfahren – unter anderem über die Werdener Flurprozession: 1720, also vor nunmehr 300 Jahren, zog diese durch Werden und Stadt und Land. Der Weg dieser Ludgerustracht führte zu fünf Heiligenhäuschen, von denen heute noch drei erhalten sind: Neben dem Heidhauser Häuschen kann man noch das Heiligenhäuschen am Viehauser Berg 103 in Werden und das in der Nähe der Fischlaker Straße 1 besuchen. In Werden. An die Heiligenhäuschen, die einst an der Ludgerusstraße, Ecke Neukircher Mühle, und am Pastoratsberg standen, erinnern nur noch Infotafeln. Bis 1967 zog diese Flurprozession einmal im Jahr durchs Werdener Land.
Theodor Thier (1719-1727) hatte die fünf Heiligenhäuschen gemeinsam mit dem Werdener Mönch Stephan Horster errichtet. „An diesen Stationsaltären wurde auf die Fürsprache des Heiligen Ludgerus, dem Stadtpatron von Werden, gebetet und der sakramentale Segen erteilt“, ist auf der Hauptinformationstafel zu lesen, die am Heiligenhäuschen an der Jacobsallee zu lesen ist.
Und zu hören, denn die Infotafeln des Rundwegs sind mit QR-Codes ausgestattet: Diesen lasse sich mit einem internetfähigen Handy scannen. Das Mobiltelefon wird so zum Audio-Guide, das Wissenswertes zur jeweiligen Station erläutert. „Wir erleben mit dieser Technik einen Einblick in Vergangenes unserer Heimat“, freut sich Kleinfeldt.

Der WBH wird sich auch weiterhin um die Pflege der Heiligenhäuschen kümmern – wie auch um die weiterer Sehenswürdigkeiten entlang des Historischen Pfads, wie dem Mintrop-Denkmal und dem Clemenspöttchen, verspricht Kleinfeldt.

27 Dez.

Entpuppt

Eine Weihnachtsgeschichte von Marc Vogel

Illustration: Robert Horn

Heiligabend. Werden ist früh morgens unter einem Nebelschleier bedeckt. Leise, beinahe unmerklich rauscht ein trockener, kalter Ostwind durch die Straßen. Schon Wochen zuvor gaben Lichttechniker alles und beleuchteten Gassen und Plätze, was das Zeug hält. Ihre funkelnden Lichterketten gehören zur Adventszeit wie Lebkuchen, Glühwein und „Last Christmas“ in Endlosschleife. Sie tauchen die Fußgängerzonen in warmes Licht und bringen eine weihnachtliche Stimmung in unser Städtchen. Und sind besonders an diesem Tag etwas sehr Schönes.
Aufbrechende Helligkeit belebt die Altstadt. Das Leben nimmt schrittweise seinen Gang. Entlang der Boutiquen, Bäckereien, Friseurläden, Restaurants, Immobiliengeschäfte. Aufsteigender Dampf aus der Kanalisation verstärkt die wundersame Atmosphäre, welche immer zu Weihnachten in der Luft liegt.
Ich beobachte mit glasigen Augen einen Schatten, der sich im Dunst langsam fortbewegt. Auch Langsamkeit ist besonders schön an diesem Tag.
Es weihnachtet, sehr.
Einige Läden öffnen unüberhörbar ihre metallenen Rollgitter. Ihr künstliches Licht lässt den Morgen erstrahlen. Und bieten mir einen seltsamen Anblick von formierten Vitrinen, die mich spiegeln. Mir den unverhüllten Blick auf Menschen offenbaren. Auch jene ohne Bewegungsspielraum. Gebunden an Pflichten.
Tagsüber öffnen sich über ihren Dächern die Wolkenporen. Es regnet in Strömen, talwärts. Auch auf den Geldautomaten gegenüber, bei dem eine ältere Frau etwas verloren steht und Ziffern eintippt. Sie entnimmt ihr Geld. Und wendet sich mir zu. Ich hatte sie nicht bemerkt. Sie bewegt sich langsam. Ich erkenne im Spiegelbild des Schaufensters ihr warmherziges Gesicht. Sie blickt zu mir, starrt mich an.
Dann überquert sie gemächlich die Straße. Betritt ohne zu zögern den Laden. Kommt direkt auf mich zu. Sie hebt mich behutsam aus der Vitrine. Drückt mich liebevoll an sich. „Du brauchst keine Angst zu haben. Meine Enkelin wird sich freuen. Sich durch dich selbst erkennen, ihre Gefühle und Wünsche ausdrücken.“ Sie legt mich umsichtig auf die Ladentheke. Sie bezahlt.
Ich werde als Weihnachtsgeschenk hübsch, kunstvoll verpackt. Ich blicke zurück, nehme still Abschied. Sehe, wie der Regen in Schnee übergeht. Es wird dunkel. Abends werde ich das Licht der Welt erneut erblicken. Meine Wiedergeburt. Wo? Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es weitergeht. Bewege mich unmerklich. Versinke in tiefen Schlaf