12 Feb.

Die Werdener Nachrichten vom 13.2.2015

Schon wieder eine Spätausgabe, diesmal weniger meine Schuld als die der Technik, ein klassischer Absturz des Ganzseiten-Umbruchs. Wir produzieren quasi direkt in die Druckmaschine.

Und sonst: rege ich mich zweimal auf in der Ausgabe, wegen verpennten Geldantrags beim Land, der die Stadt etliche Millionen kosten wird, oder dem Verkehr jede Chance; und einen kleinen Ankauf, der aber seltsam unnötig war und außer mir keinen ärgert. So ist das mit der Verwaltung und der Politik, Mist passiert.

Die Kultur reißt alles raus. Zu viel Kultur, sagten Leser zu Ausgaben, auf denen es schon mit der Titelseite losging. Nun war das aber auch eine Woche: mit einem erstklassigen Musicalabend und dazu gehörender Reise nach Jerusalem, nur im übertragenen Sinn; dann startet der 78twins-Film am Baldeneysee und schon schwappt die Humorwelle über die Promenade. Dazu erstklassiger Karneval, trotz Fremdgehens in Heisingen.
Ach ja, es geht nicht mit Kultur auf dem Titel los, sondern mit Sport, naja eher Muckis; und natürlich Karneval; unser kleinster und bester, der Bürokratie und zu viel guten Willen überlebt. Da muss man dabei sein, da muss man einsteigen, und los geht die Fahrt mit den Bollerwagen. Helau. Sonntag, 11.11 Uhr.

Dazu viel Sport, manches von Früher und überraschend viel von morgen. Also die neue Werdener besorgen.

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11 Feb.

Bibliothek morgen zu

Die Stadtteilbibliothek Werden bleibt Donnerstag krankheitsbedingt geschlossen.

 

Es ist ganz groß, sehr bunt und möchte gesehen werden: das neue Wimmelbuch der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE). Auf sechs Doppelseiten voller kleinster Details startet in dem Wimmelbuch Ebelin, das blaue Elefanten-Maskottchen der EBE, seine Tour durch Essen. Es treten unter anderem auf: der Karnevalszug entlang der Rü, der Baldeneysee mit der Weissen Flotte, die Eisfläche am Kennedyplatz und der Weihnachtsmarkt. Ab heute Nachmittag ist das Wimmelbuch an zentralen Stellen im Stadtgebiet gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro erhältlich, unter anderem auch in der EMG-Touristikzentrale.

10 Feb.

Tränen lachen bei den 78twins — dabei . . .

Sven Hiller, Bastian Korn, Benni Korn und Martin Ettrich.

Sven Hiller, Bastian Korn, Benni Korn und Martin Ettrich.

So sehr die 78twins die groovendste Essener Roadband sind, so wenig scheinen sie auf die schwimmende Bühne auf den Baldeneysee zu gehören. Mit absurden Szenen fängt der Film an, ohne zunächst eine Sekunde Konzert zu bieten. Erst am Schluss darf der Zuschauer ein wenig hineinhören, wie die Vier sich zwischen der Rock’n Roll-Tanzgruppe und Klassik mit ihrem treibenden Rock auf den Wellen geschlagen haben, ob sie tatsächlich den „See zum Beben bringen“, was der Moderator ihnen vor dem Auftritt zutraut, denn „sie haben viel geleistet, sie sind Zwillinge.“

MusicinSelten gibt es bei einem Film so viel zu lachen wie bei „Fast beinahe bekannt … der Film“, dabei liegt der Humor allein in einer Situationskomik, die der Zuschauer selber fühlen muss. Der Film bietet eine eigentlich traurige Studie einer Band, die alles hat bis auf einen Hit: Freundschaft, Können, Selbstironie, Effizienz, Persönlichkeiten und eine größtmögliche Akzeptanz. Kann man sie nicht mögen? Die ausverkaufte Film-Premiere im unvergleichlichen Studio im Glückaufhaus war jedenfalls ein Fest.

Peter Rüchel als Ehrengast veredelte den Abend, erinnert aber auch in seiner Erscheinung daran, dass der Rockpalast in seiner Gruganacht-Version schon dreißig Jahre her ist, und Bill Haleys Konzert an dem selben Ort  60 Jahre.twins_film_poster15_kontakt

Die Macher des Films Tobias Berbuer und Peter Brandt geben auf der Leinwand keine Kommentare, die ohnehin in solchen Filmen selten zu sehen sind. Aber immerhin interpretieren bei The Last Waltz oder Ähnlichem wenigstens die Musiker, Fans und Veranstalter noch manches; das geht bei den 78twins gen Null.

Die Vier von der Rockstelle scheinen zumindest im Film überall am falschen Ort zu sein, außer in ihrem Wohnzimmer Bahnhof Süd, wo sich die Fans familiär zwischen zwei Jahren und ganz schön darüberhinaus zu ihrem Beat  bewegen. Der Klang ist hier fast zu gut, während manche Szenen im Alltag nach verzerrtem Röhrensound klingen.

Bei allen anderen Auftritten werden sie gemocht, doch scheint die Welt zu einer solchen zeitlosen funky Rock’n Roll Band nicht mehr zu passen. Im echten Rockclub, der an der Flingerstraße in D’dorf schon seit den Siebzigern existiert, sind ausgerechnet die 78twins die Sargträger bei dessen drittklassiger Beerdigung. Es wäre zum Weinen, wenn es die unerschütterlichen Vier nicht so locker nähmen.

Immer scheinen die Veranstalter Gutes zu wollen, aber die Szenen wirken, als habe die Welt für eine solche Rockpartyband keine Schublade mehr: „Das nächste Stück ist in C7, könnt ihr also drauf tanzen“, macht Gitarrist Ludi dreimal den Gag, der bitterböse ins Konzert startet. Selbst das alte Flaggschiff Grugapark wirkt zu jung für diese 78er, die eigentlich kein Alter haben. Da entdecken zwar die zahlreichen Super-Nah-Aunahmen der Filmer keine überflüssige Falte oder gar zu graues Stoppelbarthaar, aber die Gesichter wirken so abgeklärt wie bei Methusalem: „Rock ist tot, lange lebe Rock“ klappern die Zombie-Gerippe im 78-Beat.

Dabei ist der Zuschauer schnell überzeugt, zwischen all den gecasteten Boygroups und den Supertruppen mit den großen Botschaften müssen es doch genau solche Bands mit ihrem Lieferwagen-Tetris sein, die der Musik ihre echten Gefühle zurück geben können. Gewonnen haben die 78twins schon Preise, alle Aktiven der Szene haben die Vier entdeckt. Ob Stimme, Band oder Kompositionen alles haben die Juroren des Landes prämiert. Nun singt Bastian sogar  deutsch, 41 Jahre nach Andrea Doria allerdings eine späte Erkenntnis.

Aber genau dann, wenn die 78twins eine eigene selbstkomponierte Ballade anspielen, wächst die Ahnung: Würde das ein Hit, wäre der Rock’n Roll mit den drei Stiefeln auf dem Kawai-Piano sofort ein Fremdkörper im Programm. Die 78twins würden umgehend eine andere Produkt-Marke; bestenfalls wie Sasha und Dick Brave.

Solange bleiben sie aber ein fröhliches Quartett, bei dem ein kaputter Daumen eine kleine Existenzkrise auslöst und alle Diplomatie erfordert: „Der andere Bassist ist super, der kann das locker.“ „Besser als ich?“ „Öh. (Reaktionssekunde) Nein! Anders, der spielt anders!“  Erleichterung. – Das Publikum lacht mit schwer erschüttertem Herzen.

 

07 Feb.

Frau Müller — muss man hin

Müller2Ich könnte ja…   die Überschrift gleich wieder zurück nehmen. Man muss nicht in den neuen Kinofilm von Sönke Wortmann  gehen; aber es ist ein Vergnügen.

Ja, Wortmann, der war gestern hier schon Thema. Irgendwie habe ich mir gedacht, dann gehste auch mal in den Neuen von ihm. Vorher habe noch eine liebe alte Bekannte getroffen, die viele Werdener noch kennen: Sonja Fleck bzw. Giepen, die einst bei uns gearbeitet hat, wir sagten ,Sonja Sonnenschein‘ wegen ihrer stets guten Laune. Jedenfalls räumte sie fast verschämt ein: „Wir gehen gleich in ,Frau Müller muss weg‘, wegen der Kinder.“

Nun ja, ich räumte ein, dass ich keine Entschuldigung habe, nur Vorfreude. Zu Recht!

Es war ein vergnüglicher Film, kein großes Werk, aber 25 Jahre nach dem Mauerfall eine erschreckend präzise Analyse von Ost und West, Helikopter-Eltern, bisweilen hilflosen Lehrern und getriebenen Eltern, dazu Kindern, die leider zu den altbekannten Problemen (,Ausgrenzen‘ oder eben neudeutsch ,Mobben‘) noch ein paar mehr aus unserer Zeit mit sich herum schleppen. Nicht immer hält der Spannungsbogen des Films: Am Kakaoautomaten und im Bad hängt er durch und neigt zum Albernen. Natürlich ist Sönke Wortmann zu sehr ein Menschenfreund, um das Böse bis zum Exzess durch zu ziehen. Es gibt immer die Momente, in denen er aufs Publikum schaut und Nachsicht übt.

Das ist angenehm, denn auch so findet der Zuschauer sich als überforderter Elternteil eins zu eins und damit unausstehlich wieder.

Man mag Sönkes letzte Beisshemmung verurteilen, aber es gibt trotzdem reichlich Momente in dem Film, in denen jeder Dialog eine pausenlose Reihe von Zitaten für ein Best of-Buch ergibt; was vermutlich schon im Bühnenstück angelegt  ist.

Es gibt eine nicht ganz überraschende, aber gut ausgespielte Wendung am Schluss. Da sollte man aber nicht zu viel erwarten, das ist kein Krimi. Anke Engelke spielt die Karriere-Mutter zwar eher wie in Ladykracher, also an der Grenze der Glaubwürdigkeit, dafür ist Alwara Höfels so sympathisch wie man es nur sein kann, solidarisch, auch überfordert und doch die stille Heldin des Films. Die Heldin ist aber ebenso Gabriela Maria Schmeide, bei der man immer versucht ist zu sagen: „Das ist doch eine Lehrerin, keine Schauspielerin!“ Frau Müller ist nicht die perfekte Lehrerin, aber sie das beste, was man in diesem längst verkorksten Dreieck von Schule, Elternhaus und Welt erwarten kann.

Letztlich zeigt sich Sönke Wortmann einmal mehr als guter Handwerker, der leider erst zum Künstler aufläuft, wenn er auch das Drehbuch mit in die Hand nimmt, eben Neues schafft: Kleine Haie, das Wunder ….

06 Feb.

Sönke mit großem Hai

19399763Sönke Wortmann (aktuell mit Frau Müller muss weg, sonst u.a Das Wunder von Bern, Der Bewegte Mann) will nun mit „Sommerfest“ eine Ruhrgebietskomödie drehen, frei nach dem Buch von Fran Goosen (Woanders ist auch Scheiße); was ja schon so eine Spitzenkombination ist. Wortmann drehte 1991 mit „Kleine Haie“ zwar keine Ruhrgebietskomödie, aber schrieb in diesem Roadmovie von Werden nach München mit Vogels Stuhlszene bei Folkwang Filmgeschichte und schuf mit Armin Rohde als „Bierchen“ eine Kultfigur. Die Hauptdarsteller dieser Komödie starteten allessamt damit große Karrieren.

„Das wunder von Bern“ nach seinem Film wurde von Folkwang-Professor Gil Mehmert inszeniert.

Man darf gespannt sein.