Die Werdener Nachrichten vom 6. Februar
Lange haben wir nicht mehr so spät in den Abend hinein produziert wie heute. Es hat sich gelohnt, weil nicht nur das Kutel frisch aufgeschäumt ist, da sind wir bis in das unterste Stockwerk der Bibliothek über eine super lange Treppe hinabgestiegen, um mit den besten Vorleserinnen wieder an das Tageslicht zu kommen. Noch höher und tiefer ging es im Ruhrmuseum für Chargesheimer. Ganz unten im finsteren Bunker kam die Erleuchtung, die Frank Goosen schon früher hatte. Apropos Erleuchtung: Noch zwölf Tage, dann beginnt die Fastenzeit; und vorher am übernächsten Sonntag feiern die Werdener gemeinsam Karneval. Der Saalkarneval wirkt ohne Kruse nicht mehr ganz so prunkvoll wie einst, aber Völl Freud freut sich über Heisinger Gastfreundschaft; ob es erheitert zurück über den See geht, wie einst bei den Heisinger Pfarrkindern von Lucius? Wir werden sehen. Apropos sehen: Auf Seite 8 wartet ein schönes ganzseitiges Bild auf die Leser. Bei „Geblieben“ sind wir auf den Pastoratsberg gestiegen. Schauen Sie mal. Das und noch viel mehr in der Werdener.
Nicht immer wechseln — zwei Euro und dann?
Eine Leserin ist nun dreimal Opfer eines jedesmal versuchten Wechseltricks geworden. Jedesmal sei sie von einem Mann angesprochen worden, ob sie 2 Euro wechseln könne. Einmal sei das im Durchgang zur Sparkasse geschehen, worauf sie auf dieses Institut verwiesen habe. Stattdessen habe der Bittende den Weg zur Abteistraße fortgesetzt, wo schon eine große Limousine wartete, in die er mit einem, weiteren Mann einstieg, der in etwa zehn Metern gewartet habe. Warum die Täter jedesmal sie ausgewählt hätten, sei ihr nicht klar. Eingelassen habe sie sich auf nichts. – Der Trick basiert auf Ablenkung, auch optisch, und der Hilfe oft eines zweiten Täters. Leider kann die Betroffene weder die Täter genau beschreiben, noch das Auto. Dazu sei sie bei aller Routine als dreifaches potentielles Opfer doch immer zu aufgeregt gewesen.
Durchfall — Dialog mit meinem Ethik-Prof
Imaginäres Telefonat mit meinem Ethik-Prof aus dem Studium in Berlin (den gab es wiklich):
„Hallo Hansgert.“
„Carlo (mein alter Spitzname), du alte Socke, was ist, Schere im Kopf im beschaulichen Werden? Wieder mal ne Predigt von Meisner? Der ist doch weg.“
„Ja, mal eine rein hypothetische Frage. Nehmen wir mal an, ich hätte mit meinem Sohn in einem neuen Lokal in Werden gegessen, endlich mal kein Italiener. Es schmeckte sehr gut, aber nun bekamen wir beiden für zehn Tage schweren Durchfall;und es war das einzige Essen, das wir in denen letzten 72 Stunden vor den zeitgleich aufgetretenen ersten Beschwerden eingenommen haben.?“
„Klar verstehe, ja vielleicht solltest Du die Restaurant-Kritik einfach durchrutschen lassen (lacht sich kaputt).“
„Und sonst?“
„Was sonst! Nein, den Versuch würde ich ohne ärztliche Begleitung nicht noch mal machen. Wir sind ja nicht bei Jackass oder so; oder gar beim Dschungelcamp.“
„Aber muss ich nicht die Leser warnen? Habe aber keine Beweise, will keinem mit Keimen schaden. Allgemein geht nicht, weil es allen neuen Lokalen schaden würde.“
„Ja, klar. Du bist aber nicht dem Lokal, sondern nur den Lesern verpflichtet und der Wahrheit, die du aber nicht kennst; vielleicht habt ihr beiden auf dem Weg zum Lokal demselben Salmonellen-Werfer die Hand gegeben; oder das Übel wohnte in eurem Kühlschrank, aus dem ihr nicht gleichzeitig aber doch beide gegessen habt, oder es saß auf einem Salatblatt von einem Lebensmittelhändler in eurem Kühlschrank.“
„Wir putzen den Kühlschrank oft. Und waschen den Salat gründlich.“
„In dem Restaurant ist der Kühlschrank wahrscheinlich sogar neu. Vielleicht sollte das Gesundheitsamt einmal prüfen!“
„Bei uns oder bei dem Lokal!“
„(Lacht laut) im Lokal!“
„Ich bin Journalist und keine Petze!“
„Das ist es doch. Du hast es. Freut mich, dass ich dir wieder einmal helfen könnte. Schick mir mal eine verschlüsselte Mail, wo ich in Werden vorsichtshalber nicht essen sollte.“
„
Verzwickt mit dem Wick
Ich könnte ja … diesen Film einfach loben, weil er Spaß gemacht hat. John Wick.
Aber das ist schon das erste Problem: Darf man lächelnd aus einem Film gehen, der gefühlte 99 % brutale Szenen zeigt? Darf man einen Film loben, der eigentlich keine neue Idee hat? Der keine neuen Charaktere aufzeigt, und die vorhandenen so dünn ansiedelt, dass sie keine neuen werden können? Aber da ist noch der lakonische Humor, leider so sparsam, dass es für einen komischen Film keine zehn Sekunden ausreichen würde. Der Film ist eine große Choreographie, was auch die Antwort ist: Der Rhythmus stimmt durchweg. Hier bringt tatsächlich keine menschelnde Szene den Rhythmus durcheinander, der einen wahnsinnig harten Soundtrack hat, der ohne unnötige Längen die Rache schnellstmöglich durchzieht. John Wick findet sein Opfer, der seinen Hund getötet und das Auto geklaut hat. So ist das ein Film, der rund ist,alles zügig erledigt und nur eine Frage offen lässt: Wo verdammt ist der Mustang? Holt er sich den nicht zurück, auch wenn das Hotel ihm einen neuen Wagen schenkt.









