14 Aug.

Die Werdener Nachrichten vom 15. August

Auch wenn Werden sich gerne als Künstlerquartier sieht – nicht für alle Künstler ist der Weg durch die Altstadt mit Gold gepflastert – manche kämpfen um ihre nackte Existenz, wie unsere Titelgeschichte zeigt.

Andere sind wieder erfolgreicher Unterwegs: Wie zum Beispiel der Folkwang-Absolvent Christian Börsing, der als Musiker und Dozent erfolgreich unterwegs ist. Wir stellen den „verrückten Professor“ vor.

Auch der SC Werden-Heidhausen zeigte sich bei seinen letzten beiden Testspielen von Erfolg gekrönt – ausführliche Spielberichte gibt es in der Heimatzeitung. Außerdem: Werdener verraten ihren die schönsten Platz an der Sonne.

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14 Aug.

Bus oder Bahn – Bahnbus

Auch schön: Workum

Auch schön: Workum

Manchmal ist die deutsche Präzision schon sehr erstaunlich. Bei der Planung der  Rückreise hat mir die Deutsche Bahn auf ihrer Seite mitgeteilt, den ersten Teil müsste ich von Hindeloopen mit einem Bus nach Leeuwarden vornehmen. Die Frage bei Einheimischen, wo denn der Bus in Richtung Leeuwarden abfahre, brachte nur Unverständnis. Es gebe eine Buslinie, aber besser sei doch die Bahn. Ebenso der Fremdenverkehrsverband, der mir der Einfachheit halber, statt der Busstation die Eisenbahnstation erklärte.

Ah Bahn! Warum weiß das die DB nicht? Doch nun hat mein Skipper die Lösung gefunden. Wegen einer Baustelle gibt es Schienenersatzverkehr! Mit einem Bus! Und das hatte meine DB Internetseiite schon drauf? Ich bin beeindruckt.

Jedenfalls war gestern ein sehr ruhiger Tag, mit zwei Dorfbesuchen einem Mittagsschlaf, viel Wind und vielen Regenschauern und einem Sky-Abend mit Dortmund und Bayern. Klasse Dortmund; einem Taubenkrimi (gute Dialoge) und dann Kampusch (unbegreiflich in seinen verschiedenen Stufen der Bosheit).

Proest gegen Windktraft in den Niederlanden

Protest gegen Windktraft in den Niederlanden

Heute zurück, und morgen nach Halle, tiefstes Binnenland, aber mit auch etlichen Windrädern. Hindeloopen demonstriert gegen Windmühlen im (am) Ijsselmeer. In Deutschland ist man ja mit den Offshore-Windanlagen auch noch nicht ganz im Reinen.

13 Aug.

Yachten für 33 Mio sind unanständig – Jagden bisweilen auch

An einem weiten Tag mit Aprilwetter mit schnellen Regengüssen und längeren Regenpassagen haben wir mit dem Auto Leeuwarden angesteuert, während unser Segel irgendwann repariert wurde. Deutsche Handwerker sind ja schon bisweilen speziell, dieser lockere Niederländer wollte um 9 Uhr kommen, kam um fast 10 Uhr, um dann aber auch nur kurz zu messen. Hätte er das nicht am Vortag machen können, oder hatte er es nicht schon gemacht; und dann vom anderen Ende des Yachthafens eben die richtige Schnur für das Großsegel zu holen.
Er entschwand, und wir fanden ihn drei Stunden dort an der Werft auf einem anderen Boot. Ja, er komme gleich zu uns, Nein, er brauche uns nicht zur Reparatur.

Also fuhren wir mit dem Auto nach Leeuwarden, wo der Skipper auch noch nicht war. Ein schöner Ort in der Mitte mit einer breiten Einkaufsstraße an einer Gracht.  Es sind jetzt nicht so sehr einmalige Läden, die dort auf die Kunden warten, mehr so die Ketten, aber die Cafés machen einen guten Eindruck; und das unserer Wahl hatte einen erstklassigen Hamburger, angefangen von einem sehr guten Hamburgerbrötchen (ja, Form und Sesam klassisch, aber ein schmackhafter Teig) und einem frisch hergestellten Patti mit einer einmaligen Sauce.

So straight dieses kulinarische Erlebnis war, so schief ist der Oldehove, ein nie fertiggestellter Turm, 1407854574323der schon während der Bauarbeiten seine Neigung zur Neigung zeigte; und seitdem wie sein weitaus hässlicherer Kollege imPisa seinen Winkel stetig weiter aus dem Lot bringt. Man kann mit dem Aufzug hoch, allerdings nur ein Geschoss von vier. Den Rest sind wir hoch, mein Skipper hat dann abends auch den Besuch im Fitness-Studio gelassen, obwohl ihm das gar nicht so viel abverlangte. 40 Meter, mehr wurde ja nicht gebaut. Aber oben ist die Aussicht gut genug, um über moderne Architektur und das Alte zu sprechen. Die Friesische Landesbank erinnert an die Reichtstagskuppel, der Neubau des Friesischen Museum steht gegenüber einem Prachtbau der Verwaltung, der an die Klassiker aus Griechenland erinnert, aber in der dann in den USA oft verwendeten Form; könnte dort gut das Zentrum einer Kleinstadt sein.

Das Interessanteste war aber an diesem Tag die Begegnung mit einem Vorsitzenden mehrerer Aufsichtsräte, der sie alle kannte, viele persönlich, die heute Konzerne leiten oder beaufsichtigen.Neben einem überdachten Müllcontainer gab es im Angesicht eines Platzregens ein durchaus längeres Gespräch oder einen Fast-Monolog, in dem er die überraschend hoffnungsvolle Ansicht vertrat: „Die Schweinereien kommen alle raus. Ob Insider-Geschäfte mit Aktien oder die Verfehlungen Middelhoffs.“ Gerade als Aufsichtsratsmitglied oder Vorstand müsse man redlich bleiben und sein sicher hohes Salär nicht blödsinnig für vielleicht einige Millionen mehr dermaßen dreist aufs Spiel setzen.“

Wo setzte der Pensionär mit mehreren Aufsichtsratsposten  nun die Grenze für anständiges Gehalt und unanständiges Verdienen bei AGs an? Zumindest nannte er es voll daneben, sich öffentlich zu zeigen, während die eigene neue 33 Millionen Yacht vom Stapel läuft.  Gemeinsam fanden wir es auch übertrieben, wenn ganze Vorstände nach Argentinien fliegen, um eine bestimmte Huhnsorte zu jagen; wenn gerade die Brasilien-Geschäfte ihres bekannten Konzerns sensationell abstürzen.

Abends haben wir uns dann eine Pizza in Hindeloopen gegönnt, auch etwas dekadent mit dem obligatorischen Eis als Nachtisch.

 

11 Aug.

So viel Wind und so wenig Eis

1407319885339Hindeloopen ist ja wunderschön, fast märchenhaft mit seinen alten Häusern. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber irgendwie ist dieser kleine Ort zu süß, um wahr zu sein. Überall Grün an den Kanälen bzw. Grachten, kleine süße alte Häuser..

Bei immer noch erheblich zu hohen Windstärken und erst morgen repariertem Seil fürs Großsegel am 22 Meter hohen Mast, war heute Waschtag, Lesetag und Einkaufen. Äldi Süd in Holland hat manche heimische holländische Spezialitäten, fast mehr als der teurere Supermarkt nebenan.

1407318837645Zurück nach Hindeloopen: Hindeloopen war seit dem Mittelalter eine wichtige Handelsstadt. Als das vorbei war, kam dann 1932 die Fertigstellung des Dammes für das Ijsselmeer und die gut laufend Fischerei erlahmte  und ging bis auf einige wenige Kutter zurück. Es  ist heute mit seinen malerischen alten Häusern und Grachten eine Museumsstadt und  lebt überwiegend vom Tourismus der IJsselmeer-Segler.

1407768472823Vor allem aber beherbergt es das Museum der Elfstedentocht, jenes sagenhaften Schlittschuhlangstreckenrennens, das schon seit 1997  mangels Eis nicht mehr stattfindet. Seit der ersten Elfstedentocht im Jahre 1909 hat es siebzehn Rennen über die Kanäle Frieslands durch die elf Städte mit Stadtrecht gegeben. Jeweils fast 200 km ! Die ersten Skates waren noch Eisenkufen unter einem Holzframe, das — wie in den Sechzigern noch die Rollschuhe bei uns–   an den Schuhen festgebunden wurden. Solche Urschnelllaufschlittschuhe  gibt es im Museum nicht nur zu sehen, sondern auch als Originale zu kaufen. Ich hab jetzt welche.

Im Museum ist sogar eine Werkstatt aufgebaut, in der diese Anschnallkufen hergestellt wurden. Die Chefin des Museums ist als einige der wenigen Frauen noch einige Male mitgefahren, eine Leistung, die man als Speedskater erahnen kann, wenn man bedenkt, dass schon 110 km am Bodensee im Sommer eine Tortur sind. 200 km sind Fünfzehnmal um den Baldeneysee. Man startet bei Sonnenaufgang; und wer vor Mitternacht erhält eine Medaille, die in den Niederlanden hoch geschätzt wird.

Ersatzweise gibt es wegen der selten genügend kalten Winter jedes Jahr eine Rennwoche auf dem Weißensee in Kärnten. Das wurde auch bekannter in Deutschland durch die Realityserie mit Anni Friesinger und afrikanischen Läufern, die noch nie Schlittschuhe getragen hatten.

Leider kann man an dem Original nicht teilnehmen. Selbst die Mitglieder der niederländischen und vor allem friesischen Vereine müssen auf das Losglück für einen der 17.000 Plätze hoffen.

Hart ist es. So erzählt die Geschichte von abgefrorenen Zehen der Läufer, Nebelwänden und manch anderem Abenteuerlichem. Aber ich muss zugeben, wenn man nicht mindestens Inline skatet, ist das Museum wahrscheinlich totlangweilig.

Hochspannend ist dagegen das Kite-Surfen heute bei einem Wind gewesen, der die Segler alle im Hafen zurück hielt.

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Verblüffend, wie schnell die Kitesurfer schon vom Land aus wirken, auf den Brettern muss das echt brettern; und wenn die lange in der Luft bei ihren sensationellen Sprüngen bleiben, dann überlegt der Zuschauer mit, wie am besten gelandet werden sollte. Hier kitensurfen schon viele, nebenan in Workum ist der Himmel voll von Kites.