Die frühe Möve scheißt aufs Deck

Skipper Arndt; nur die Möwen standen früher auf.
Heute ging es um 6 Uhr los, in einem Zug zurück in den Heimathafen; mit einem müden, sehr kurz angeekelten und lange entspannten Skipper Arndt.
Gestern haben wir uns noch einmal ein feines Abendessen in Terschelling gegönnt. Eine Empfehlung, wer auch immer diesen Tipp ins Buch geschrieben hat, er hatte viel Geschmack und wenig Hunger. Das war so ein An-Lokal, wo das Essen zum Glück immer an Größerem zu finden ist: drei Vorspeisen auf einer wirklich riesigen Platte, so dass man die Köstlichkeiten kaum fand. Als Hauptgericht haben wir Fisch genommen. Den kleinen Salat mussten wir uns teilen, das Pommes-Schälchen auch. Und die beiden Fischfilets ließen noch genügend Tellerfläche übrig. Das Eis war dafür klar definiert: Zwei Eisballen an einem Mousse. Mousse war Mist.
Dafür war der Hafenblick nett, der Sonnenuntergang schön und die Bedienung beides. Ich habe auf dem Schiff noch eine Gute-Nacht-Schokolade gegessen: 200 g wohl gemerkt.
Ich weiß nicht, was die Möwe gegessen hat, die auf unser Schiff alles hat fallen lassen, kurz bevor wir um 6 Uhr aufgestanden sind. Herausgekommen ist jedenfalls eine heilige Scheiße, die meinen Skipper sehr geekelt (siehe oben). Gestern Abend hatte er noch unter Einsatz seines Lebens die Macke repariert, die der Katamaran in den Bug bugsiert hatte. Mit Gaffa-Tape. Ich liebe dieses Band, mit dem man zur Not die Welt reparieren könnte, sollte sie einmal zerreissen wollen.
Bei einem wundervollen Sonnenaufgang sind wir dann mit frisch geschrubbtem Deck gestartet.

Die Sonne geht im Westen von Terschelling auf.
Wir waren nicht die einzigen, aber bald die Schnellsten. Ich konnte dem Skipper eine selbstgezimmerte Weisheit vom „Skaten um den Baldeneysee“ mitgeben: „Zuerst freust du dich, wen du alles überholst. Aber am Ende auf der Tribüne beim Entspannen zählt viel mehr: Keiner hat Dich überholt.“
Die Lydia ist eine echte Rennsense (Für Kenner: Beneteau Sense 50). Wie gesagt, nur mit Focksegel — Hauptsegel-Leine (?) kaputt — haben wir mächtig Tempo gemacht, wenn der Wind einigermaßen passte. Nur die Fähren waren schneller und dreister, obwohl die Schleuderkurve durch zwei Segler hatte etwas vom besten Tokyo-Drift.
Dass sich in der Schleuse zum Ijsselmeer dann mehrere Segler vorgepfuscht haben, will ich gar nicht erwähnen; aber vielleicht, dass ich uns in der Schleuse mit einem perfekten Seilwurf in gefühlten 1,7 Sekunden fest gemacht habe; und manche eingespielte Team mit bis zu vier Leuten länger gebraucht haben.
Daher habe ich später gar nicht verstanden, dass mein stets entspannter Skipper Arndt mich vor unserem Heimathafen Hindeloopen so ermahnt hat, „konzentriert und nicht nachlässig“ beim Anlegemanöver zu sein. Abgesehen davon, dass dort ein erfahrener Captain aus den Niederlanden auf dem Steg die Schnur angenommen und perfekt vertäut hat, so dass ich meine gewonnenen Fähigkeiten und bewahrte Konzentration und Ernsthaftigkeit nicht beweisen musste, hat auch der Skipper dieses für ihn Routinemanöver so super gemacht, dass eine hundertjährige Strickmamsell sein Boot vertäut hätte. Und ich wäre sogar über mehrere Meter weit ans Ufer gesprungen, wenn es nötig gewesen wäre. Ich war bereit! Zu allem!
Es soll ein Unwetter aufziehen; und wir sind im Hafen. Die Welt ist doch gut, Skipper! Der schläft!
Im Norden und Süden tummeln sich unzählbar viele Kite-Surfer. Die werde ich gleich mal besuchen. Anderseits: Es dröppelt schon!

Samstag Abend Licht;

Abendlicht