Duisburg-Essen Uni
Auch heute in der WAZ ist ein Interview mit dem Rektor der Uni Duisburg-Essen zu lesen; unter anderem mit der Frage nach der Gleichberechtigung und ob Essen nicht dominiere. Ganz unabhängig von der Antwort und dem guten Interview: Mit dem Namen hat Duisburg eine dermaßene Dominanz bekommen. Je weiter man von NRW entfernt wohnt, desto mehr wird man sich fragen, ob Essen ein Stadtteil von Duisburg ist; oder das Schild zur Kantine der Uni Duisburg führt; zudem wird schon bei einigen Adressen das Essen weggelassen.
Oder bedeutet Essen-Werden nun, dass sich die beiden Städte zusammengeschlossen haben.
Mit der alphabetischen Reihenfolge Duisburg vor Essen hat sich Essen nach hinten begeben für immer. Man verzeihe mir meinen sicherlich hier zu großen Lokalpatriotismus als Essener. Aber eigentlich egal: Die Folkwang-Universität der Künste übrigens gibt natürlich keine Stadt an: Bochum-Duisburg-Dortmund-Essen wäre auch zu lang. Aber der Campus heißt Essen-Werden und liegt damit in Essen und Werden. Ist natürlich Quatsch, zeigt aber wie ungsünstig das mit der Uni Duisburg-Essen für Essen gelaufen ist.
Natürlich dominiert Essen / zumindest örtlich die UDE.
Aber die Geschichte sieht doch anders aus:
Die Universität Duisburg wurde bereits 1655 gegründet und 1818 durch Preußen nach Bonn verlegt.
Ihr berühmtester Sohn war Gerhard Mercator! und nun zum Lexikon:
“ Als Landesuniversität eines reformierten Herrscherhauses stand die Lehranstalt allerdings bald in Konkurrenz zu den besser ausgerüsteten und nicht weit von Duisburg entfernten niederländischen Universitäten. Da nur etwa ein Drittel der Einwohner in den preußischen Westprovinzen reformiert waren, schickten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die meisten lutherischen und katholischen Bürger ihre Söhne an andere Universitäten.
Die Universität verfiel zusehends und wurde am 18. Oktober 1818 auf Grund einer Kabinettsorder von Friedrich Wilhelm III. offiziell aufgehoben. Zur selben Zeit wurde die Universität Bonn gegründet. Große Teile der Duisburger Universitätsbibliothek wurden nach Bonn verlagert und bildeten dort den Grundstock der neu gegründeten Bonner Bibliothek. Ebenso gelangte das Universitätszepter der Duisburger Hochschule nach Bonn und ist dort bis heute vorhanden.
Erst im Jahre 1968 erhielt die Stadt Duisburg mit der Pädagogischen Hochschule wieder eine Hochschule. Sie erhielt weitere Fachbereiche und im Jahre 1994 nach dem Ende der Phase als Gesamthochschule den Namen Gerhard-Mercator-Universität und wurde 2003 mit der Universität Essen zur neuen Universität Duisburg-Essen fusioniert. Forderungen der neuen Duisburger Universität an die Universität Bonn auf Herausgabe der Universitätsbibliothek der alten Universität Duisburg sowie des Universitätszepters wurden in der Vergangenheit stets abschlägig beschieden.“
Alle Achtung, da habe ich etwas gelernt. Ja, so ist das mit der Hybris als Essener; im selbstkasteienden bis selbstironischen Ruhrgebiet will Essen dann wenigstens die Hauptstadt sein, einst als unbekannte fünftgrößte Stadt der Republik. Jetzt dämmert mir da Manches wieder. Habe manchmal Studienkollegen in den roten Uni-Häusern nahe Duisburg-Wedau besucht; das hatte was. Also ich nehme das meiste zurück. Dann sollte man aber Werdens Folkwang Uni über Musica Enchiriadis endgültig mit der Schreibstube der Benediktiner verbinden, damit bei einem Zusammengang von z.B. Köln und Essen-Werden es dann Folkwang Uni Werden-Köln heißt.