Wir Werden See(n)
Ich könnte ja . . .
. . . jetzt noch schreien vor Wut. Es fing gerade vor zwei Minuten ganz harmlos an. Am Wehr biegt ein Kleinlaster von Stauder langsam auf eine Parkbox ab. Zwei Rennradfahrer müssen bremsen, kommen gut fünf Meter vor der Seite des Kleinlasters zum Stehen und fangen an, auf den jungen Fahrer ein zu schimpfen. So weit so gut, so sind sie ja auch im Recht.
Der eine von ihnen donnert mit der Hand gegen die Seite des Wagens. Der andere droht dem Fahrer schon Prügel an. Immerhin hat er noch die fünf Prozent originelle Bemerkung: „Selber wohl zu viel Stauder getrunken.“
Der bleibt zum Glück ruhig, hat auch ein wenig Respekt, denn die Radfahrer sind gestandene Männer und beherrschen das Schimpfwort-Vokabular des Rheinischen.
Der schmächtige Fahrer steigt nicht aus. Es droht trotzdem zu eskalieren und langsam wird einem als Zuschauer auch mulmig, aus Recht wird Übermaß und Gewalt. Also mal ein Versuch zur Deeskalation: „Ist doch noch mal gut gegangen.“ Wirkt nicht! Nun ist man selber auch der Böse. Sie würden es auch mit Zwei aufnehmen. „Macht mal halblang“. Schimpfend fahren sie weiter und drohen noch, beim nächsten Mal würden wir beide eine Tracht bekommen.
Das ist schon unwahrscheinlich, weil wir beide wohl nicht mehr zusammenkommen werden; während die beiden Radaubiker wohl zu einem Verein gehören, in doppelter Hinsicht.