20 Okt

Fetten Bass

IMG_20131019_220202Der Raum war zu klein. Herrlich klein! Hattler war ein Genuss, zwei Meter vor der Bühne diesen Bassisten und seine herausragende Band zu erleben, das war ein Erlebnis, das man jedem gönnen würde. Aber bei ausverkauftem Grend mussten eben viele draußen bleiben: „Schwere Schicksale“ kommentierte der geniale Bassist mit seinem sanften Humor, den er bei fast pausenlosem Programm viel zu selten aufblitzen ließ; dafür lieferte er sich mit Sängerin Fola Doda Lachduelle, die bald Gitarristen Torsten de Winkel ansteckten, fast sogar Drummer Oli Rubow; vielleicht der Unauffälligste in dem Quartett, aber nicht weniger überragend mit seinem Spiel und seiner Bedienung der Computer, die dem Zuhörer erst spät zu Bewusstsein kamen; wie eben sein Spiel überzeugend zwischen spacy und auf den Punkt.

Der Fünfte im Bunde war der unsichtbare Videokünstler Pete Delgado, der die zwei Stunden sogar lohnt, wenn man taub ist. Grüße von hier an den Mixer mit einem perfekten Sound und damit zurück zu Hellmut Hattler: Konzerte von Bassgenies sind bisweilen eine Tortur. T.M. Stevens habe ich alleine lassen müssen bei aller Anerkennung, aber selbst ein leidenschaftlicher Bassist hält Heavy Metal unter 100 Herz nicht endlos aus.

Hellmut Hattlers Klang ist ebenso kraftvoll, wie entspannend. Dazu trägt bei, dass er mit Plektrum spielt; unter anderem. Alles andere kann er auch; mit den Fingern bis hin zum Slappen, das gegen seine Technik fast altmodisch wirkt.

Dass er so außerhalb dem Normalen und doch erdverbunden klingt, macht auch die vielleicht einzige Schwäche des Quartetts aus: Der jazzig phrasierte Gesang von Fola Dada mag ein wichtiger Pflock gegen das Abheben sein, aber man wünscht sich bisweilen die Sing- und Experimentierfreude einer frühen Nina Hagen. Immerhin: Bisweilen bei den Stakkato-Gesängen (Whatchagonnado) und bei ihrem Lachen ist sie eine perfekte Ecke des Rechtecks Hattler. Der Winkel mit der Gitarre bewegt sich in einer Dimension, die vor der Weite des indischen Subkontinents nicht halt macht. Ich liebe seit gestern Sitar-Klänge; zumindest wie Torsten de Winkel sie anspielt. Torsten fordert als kongeniales Gegenüber den Hellmut immer wieder heraus.

Hattler als Band ist „vollkommen abgehoben“ und doch in jeder Sekunde groovend. Während der wippende Fan das genießt, erklärt Hellmut, dass das kein Zufall ist, sondern genau die Absicht. Ein Konzert seiner Band könne helfen, sich eine Woche gut zu fühlen. Der Mann ist größenwahnsinnig und hat Recht.

Es war das erste Konzert des seit dreizehn Jahren bestehenden Projektes Hattler in Essen. Aber vielleicht lädt ja mal die Jazz-Abteilung von Folkwang in einen größeren Raum ein.

Übrigens: Während diese Zeilen entstehen, laufen auf Hattler-Konzerte als Hintergrund. Unter you tube „HATTLER: Delhi News. China 2009“

Apropos: Der Titel dieses Beitrags bezieht sich auf das T-Shirt, dass Hellmut zur Zugabe übergestreift hatte: Das bekannte Logo mit den Buchstaben “Fetten Bass”

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